Fallakte

The Five Families Case — Der Mafia-Kommissionsprozess

New York, 1985–1987 — historischer RICO-Prozess gegen die Führung der Mafia

🇺🇸 Amerikanisch

Veröffentlicht 3. Juni 2026

BEWEIS

Fakten

TäterAnthony Salerno et al. (11 defendants in total)
OpferKrimiNyt has chosen not to highlight individuals; victims included workers, businesses and labor unions
TatortU.S. District Court for the Southern District of New York, New York City, USA
Tatzeitpunkt1985–1986 (indictment period)
DeliktExtortion, labor racketeering, illegal gambling and murder (RICO counts)

Der Fall

Der Mafia-Kommissionsprozess, auch bekannt als "The Five Families Case", war ein wegweisender bundesstaatlicher Strafprozess, der 1985 bis 1987 die Führungsebene der organisierten Kriminalität in New York City vor Gericht brachte. Unter der Leitung des damaligen US-Staatsanwalts Rudolph Giuliani wurden elf hochrangige Mitglieder der sogenannten Mafia-Kommission angeklagt — des Leitungsgremiums, das die Aktivitäten der fünf New Yorker Mafia-Familien koordinierte. Der Prozess markierte einen Wendepunkt im Kampf gegen die organisierte Kriminalität in den Vereinigten Staaten und demonstrierte die Wirksamkeit des 1970 eingeführten RICO-Gesetzes (Racketeer Influenced and Corrupt Organizations Act).

Die fünf Familien — Gambino, Genovese, Lucchese, Colombo und Bonanno — hatten über Jahrzehnte ein dichtes Netz aus Erpressung, Gewerkschaftskorruption, illegalem Glücksspiel, Kreditwucher und Drogenhandel aufgebaut. Die Kommission fungierte als oberste Instanz zur Schlichtung von Streitigkeiten zwischen den Familien und zur Koordination ihrer kriminellen Aktivitäten. Bis Mitte der 1980er Jahre galt die Mafia in New York als nahezu unangreifbar, doch eine fünfjährige FBI-Untersuchung schuf die Grundlage für die historische Anklage.

Die Angeklagten

Zu den elf Angeklagten gehörten einige der mächtigsten Figuren der amerikanischen Mafia. Paul Castellano, Oberhaupt der Gambino-Familie und Vorsitzender der Kommission, stand im Zentrum der Anklage. Anthony "Fat Tony" Salerno, Anführer der Genovese-Familie, galt als einer der einflussreichsten Mafia-Bosse seiner Zeit. Carmine "The Snake" Persico führte die Colombo-Familie und verteidigte sich im Prozess selbst. Weitere prominente Angeklagte waren Anthony "Tony Ducks" Corallo von der Lucchese-Familie und mehrere hochrangige Capos und Berater.

Zeitlinie

19. November 1986

8 Angeklagte für schuldig befunden

Am 19. November 1986 verkündet die Jury ihr Urteil: 8 der 11 Angeklagten werden nach den RICO-Anklagepunkten für schuldig befunden.

13. Januar 1987

Strafen verhängt: die meisten erhalten 100 Jahre

Am 13. Januar 1987 werden die meisten der Verurteilten von demselben Gericht in New York zu 100 Jahren Haft verurteilt. Anthony Indelicato erhält eine geringere Strafe.

Die Anklage stützte sich auf das RICO-Gesetz, das es ermöglichte, Mitglieder einer kriminellen Organisation für das Gesamtspektrum ihrer illegalen Aktivitäten zur Verantwortung zu ziehen, auch wenn sie nicht direkt an einzelnen Taten beteiligt waren. Dies war ein revolutionärer Ansatz, da zuvor meist nur einzelne Vergehen verfolgt werden konnten, während die Führungsstruktur unangetastet blieb.

Die kriminellen Aktivitäten

Die Anklageschrift umfasste ein breites Spektrum an Straftaten. Im Kern stand die Anklage wegen Racketeering — die systematische Durchführung illegaler Geschäfte durch eine organisierte Gruppe. Die fünf Familien kontrollierten große Teile der Bauindustrie in New York, erpressten Gewerkschaften und Bauunternehmen und kassierten illegale Abgaben bei nahezu jedem größeren Bauprojekt in der Stadt.

Darüber hinaus betrieben die Familien umfangreiche Glücksspielringe, Kreditwuchergeschäfte und waren am Drogenhandel beteiligt. Die Anklage führte auch mehrere Morde an, darunter den spektakulären Mord an Carmine Galante im Jahr 1979, der von der Kommission angeordnet worden war, um die Kontrolle über den Drogenhandel neu zu ordnen.

Die Kommission selbst tagte regelmäßig, um über territoriale Streitigkeiten zu entscheiden, neue Mitglieder zu genehmigen und die Aufteilung der illegalen Einnahmen zu regeln. FBI-Abhörmaßnahmen lieferten detaillierte Aufzeichnungen dieser Treffen und Gespräche, die später als zentrale Beweise im Prozess dienten.

Die Ermittlung

Die Ermittlungen begannen Anfang der 1980er Jahre als Teil einer breit angelegten FBI-Initiative gegen die organisierte Kriminalität. Über einen Zeitraum von fünf Jahren vor der Anklage sammelte das FBI umfangreiches Beweismaterial durch Abhörmaßnahmen, verdeckte Ermittlungen und die Aussagen von Kronzeugen, die mit den Behörden kooperierten.

Ein Durchbruch gelang, als es dem FBI gelang, Abhörgeräte in verschiedenen Mafia-Treffpunkten zu installieren, darunter in einem Jagdhaus in den Poconos und in mehreren sozialen Clubs in New York. Diese Aufnahmen lieferten erstmals direkte Beweise für die Existenz und Funktionsweise der Kommission. Die Ermittler konnten nachweisen, dass die Kommission nicht nur eine informelle Vereinbarung war, sondern eine strukturierte Organisation mit klaren Hierarchien und Entscheidungsprozessen.

Rudolph Giuliani, der 1983 zum US-Staatsanwalt für den Southern District of New York ernannt worden war, machte den Kampf gegen die Mafia zu seiner Priorität. Zusammen mit seinem stellvertretenden Staatsanwalt Michael Chertoff entwickelte er die rechtliche Strategie für den Kommissionsprozess, der das RICO-Gesetz auf beispiellose Weise nutzte.

Der Prozess

Der Prozess begann im September 1986 und dauerte mehrere Monate. Die Staatsanwaltschaft präsentierte ein überwältigendes Beweismaterial, darunter hunderte Stunden Tonbandaufnahmen, Finanzunterlagen und Zeugenaussagen. Besonders wirkungsvoll waren die Aussagen ehemaliger Mafia-Mitglieder, die gegen ihre früheren Bosse aussagten.

Die Verteidigung argumentierte, dass die Angeklagten lediglich Geschäftsleute seien und dass die Kommission, falls sie überhaupt existiere, keine kriminelle Organisation sei. Einige Angeklagte, darunter Carmine Persico, führten ihre eigene Verteidigung, was von Beobachtern als taktischer Fehler angesehen wurde.

Am 19. November 1986 verkündete die Jury ihre Urteile: Acht der elf Angeklagten wurden in allen Anklagepunkten für schuldig befunden, darunter Erpressung, Verschwörung zum Mord und Racketeering. Die Schuldsprüche waren ein historischer Erfolg für die Strafverfolgung und sendeten ein deutliches Signal, dass selbst die höchsten Ebenen der organisierten Kriminalität nicht über dem Gesetz standen.

Am 13. Januar 1987 verhängte Richter Richard Owen die Höchststrafen: jeweils 100 Jahre Haft für die Hauptangeklagten. In seiner Urteilsbegründung bezeichnete er die Verurteilten als "Köpfe einer vielköpfigen Hydra" und betonte, dass ihre Verbrechen über Jahrzehnte systematisch und mit äußerster Brutalität ausgeführt worden seien.

Auswirkungen und Vermächtnis

Der Mafia-Kommissionsprozess hatte weitreichende Folgen für die organisierte Kriminalität in den Vereinigten Staaten. Die Verurteilung der Kommissionsmitglieder zerstörte die traditionelle Führungsstruktur der fünf Familien und leitete einen Niedergang der New Yorker Mafia ein, von dem sie sich nie vollständig erholte.

Der Prozess etablierte das RICO-Gesetz als wirksamstes Instrument gegen organisierte Kriminalität und diente als Blaupause für zahlreiche nachfolgende Verfahren gegen kriminelle Organisationen, von der Mafia über Motorradgangs bis hin zu internationalen Drogenkartellen.

Für Rudolph Giuliani war der Erfolg ein Karrieresprungbrett. Der Prozess machte ihn landesweit bekannt und ebnete den Weg zu seiner späteren Wahl zum Bürgermeister von New York City im Jahr 1993. Seine aggressive Haltung gegenüber der organisierten Kriminalität wurde zum Markenzeichen seiner politischen Karriere.

Heute

Mehr als drei Jahrzehnte nach dem historischen Prozess sind alle damals verurteilten Angeklagten entweder verstorben oder weiterhin inhaftiert. Paul Castellano wurde bereits im Dezember 1985, kurz nach Beginn des Prozesses, vor einem Restaurant in Manhattan erschossen — ein Mord, der später John Gotti, seinem Nachfolger als Gambino-Boss, zugeschrieben wurde.

Die fünf Familien existieren weiterhin, jedoch mit deutlich reduzierter Macht und Einfluss. Strafverfolgungsbehörden führen weiterhin regelmäßig Operationen gegen Mafia-Aktivitäten durch, doch die Organisation hat nie wieder die Stärke und Koordination erreicht, die sie vor dem Kommissionsprozess besaß.

Der Fall bleibt ein zentrales Kapitel in der Geschichte der amerikanischen Strafverfolgung und wird in zahlreichen Büchern, Dokumentationen und akademischen Studien analysiert. Das Mob Museum in Las Vegas widmet dem Kommissionsprozess einen eigenen Ausstellungsbereich. Der Fall demonstriert, wie rechtliche Innovation und entschlossene Ermittlungsarbeit selbst die mächtigsten kriminellen Organisationen zerschlagen können — eine Lehre, die bis heute im Kampf gegen organisierte Kriminalität weltweit Anwendung findet.

Medienberichterstattung

TV series

  • American Godfathers: The Five Families(2026)
  • Fear City: New York vs The Mafia(2026)

Zu diesem Fall fragen

Antworten nur aus der Berichterstattung von KrimiNyt

Diesem Fall folgen

Erhalte eine E-Mail, wenn eine neue Doku, ein Podcast oder ein Buch zu The Five Families Case — Der Mafia-Kommissionsprozess erscheint oder ein Urteil fällt.

Diesen Beitrag teilen: