Fallakte

Mafia Commission Trial — RICO-Prozess gegen die Five Families

New York City, 1985–1986: Bundesprozess gegen die Bosse der Mafia-Kommission, weitgehend aufgeklärt

🇺🇸 Amerikanisch

Veröffentlicht 2. Juni 2026

BEWEIS

Fakten

TäterAnthony Salerno, Carmine Persico, Anthony Corallo et al. (eight convicted)
OpferKrimiNyt has chosen not to highlight individual victims — the collective victims were the labor market and the business community
TatortUnited States District Court for the Southern District of New York, Manhattan
TatzeitpunktOngoing criminal activity, indictment filed 1985
DeliktOrganized crime, racketeering, extortion, labor bribery, loansharking (RICO)

Der Fall

Der Mafia Commission Trial war ein US-amerikanischer Bundesstrafprozess vor dem U.S. District Court für den Southern District of New York, in dem zwischen Februar 1985 und November 1986 die Führung der New Yorker Five Families wegen Verstößen gegen den Racketeer Influenced and Corrupt Organizations Act (RICO) angeklagt und überwiegend verurteilt wurde. Die Anklage zielte erstmals nicht auf einzelne Taten, sondern auf die Mafia-Kommission selbst — das interne Steuerungsgremium der amerikanischen Cosa Nostra — als kriminelle Vereinigung.

Der Prozess gilt als einer der bedeutendsten Schläge gegen die organisierte Kriminalität in der US-Geschichte. Der damalige U.S. Attorney Rudolph Giuliani entwickelte die Anklagestrategie, die später als Vorbild für weitere RICO-Verfahren gegen mafiöse Strukturen diente. Ergebnis waren langjährige Haftstrafen, die die operative Spitze von vier der fünf New Yorker Familien gleichzeitig aus dem Verkehr zogen.

Das Verbrechen

Die Bundesanwaltschaft warf den Angeklagten vor, die sogenannte Commission) als übergeordnetes Lenkungsgremium der Cosa Nostra zu betreiben. Über dieses Gremium seien Reviere abgesteckt, Streitigkeiten zwischen Familien geschlichtet, Aufnahmen neuer Mitglieder genehmigt und gezielte Tötungen autorisiert worden. Die Kommission habe darüber hinaus Schlüsselindustrien kontrolliert, insbesondere das Baugewerbe in New York über das sogenannte „Concrete Club"-Kartell, das Aufträge ab einer bestimmten Größenordnung manipulierte.

Zeitlinie

25. Februar 1985

Anklage gegen elf Angeklagte erhoben

Am 25. Februar 1985 erhebt die Staatsanwaltschaft vor dem Bundesgericht in Manhattan nach dem RICO-Gesetz Anklage gegen elf Figuren der organisierten Kriminalität.

19. November 1986

Jury befindet acht Angeklagte in allen Punkten für schuldig

Am 19. November 1986, nach rund sechstägiger Beratung der Jury, werden acht Angeklagte im Mafia-Commission-Verfahren in sämtlichen Anklagepunkten für schuldig befunden.

13. Januar 1987

Urteile verkündet — die meisten erhalten 100 Jahre

Am 13. Januar 1987 werden die Strafen verkündet. Die meisten Verurteilten erhalten Haftstrafen von 100 Jahren; Anthony Indelicato erhält eine kürzere Strafe.

1. Januar 1989

Second Circuit bestätigt Verurteilungen im Berufungsverfahren

Der United States Court of Appeals for the Second Circuit bestätigt die Verurteilungen im Wesentlichen, hebt jedoch Indelicatos materielle RICO-Verurteilung wegen Verjährung auf.

Zu den vorgeworfenen Straftaten gehörten Erpressung, Arbeitsmarkt-Racketeering, illegales Glücksspiel, Kreditwucher, Drogenhandel sowie Morde im Zusammenhang mit der Aufrechterhaltung der kriminellen Vereinigung. Ein konkreter Tatkomplex war der Mord an Carmine Galante, dem ehemaligen Boss der Bonanno-Familie, der am 12. Juli 1979 in einem Restaurant in Brooklyn erschossen wurde. Anthony Indelicato wurde im Rahmen des Prozesses für diese Tat verantwortlich gemacht.

Die Opfer

Anders als klassische Mordprozesse hatte der Mafia Commission Trial keine einzelne Geschädigtenkonstellation. Opfer im weiteren Sinne waren die Bauwirtschaft New Yorks, Gewerkschaften, Unternehmer und Arbeitnehmer, die über Jahrzehnte unter erzwungenen Abgaben und manipulierten Vergaben litten. Daneben stand der konkrete Mord an Carmine Galante, dessen Tötung als Teil der inneren Machtkämpfe innerhalb der Bonanno-Familie und der Commission-Strukturen gewertet wurde.

Ermittlung

Die Ermittlungen begannen rund fünf Jahre vor der Anklageerhebung. Das FBI nutzte verdeckte Abhörmaßnahmen in großem Stil: Nach Darstellung der Bundesanwaltschaft und späterer Aufarbeitung wurden insgesamt 171 gerichtlich genehmigte Wanzen und Telefonüberwachungen eingesetzt. Abgehört wurden unter anderem das Wohnhaus von Anthony Corallo, in dem ein „Jaguar-Bug" im Auto seines Fahrers Salvatore Avellino zu zentralen Beweismitteln führte, sowie der Palma Boys Social Club, der Anthony Salerno als Treffpunkt diente.

Die aufgezeichneten Gespräche belegten aus Sicht der Ermittler die Existenz, Zusammensetzung und Arbeitsweise der Kommission. Sie bildeten zusammen mit Aussagen von Insidern und Aufzeichnungen über Geldflüsse aus dem Bauwesen das Rückgrat der Beweisführung. Die Ermittlungsführung lag federführend bei der FBI-Außenstelle New York, unterstützt von der Strike Force gegen organisierte Kriminalität im Justizministerium.

Prozess und Urteil

Der Prozess begann formal mit der Anklageverkündung am 25. Februar 1985 und endete am 19. November 1986 mit der Urteilsverkündung. Vorsitzender Richter war Richard Owen. Angeklagt waren unter anderem Anthony „Fat Tony" Salerno (Genovese), Anthony „Tony Ducks" Corallo (Lucchese), Carmine Persico (Colombo) und Philip „Rusty" Rastelli (Bonanno) sowie hochrangige Funktionäre wie Christopher Furnari (Consigliere der Lucchese) und Salvatore Santoro (Underboss der Lucchese). Paul Castellano, Boss der Gambino-Familie, war ursprünglich Teil des Kreises der Commission-Führung, wurde jedoch am 16. Dezember 1985 — während des laufenden Verfahrens — in Manhattan auf Anweisung John Gottis erschossen.

Die Jury sprach die verbliebenen Hauptangeklagten in nahezu allen Anklagepunkten schuldig. Salerno, Corallo, Persico, Furnari und Santoro erhielten Haftstrafen von je 100 Jahren. Anthony Indelicato wurde wegen seiner Beteiligung am Mord an Carmine Galante zu 40 Jahren Haft verurteilt. Damit war der Fall im juristischen Sinne aufgeklärt: Die Verantwortlichen wurden identifiziert, angeklagt und überwiegend verurteilt.

Heute

Der Mafia Commission Trial gilt als historischer Wendepunkt im Kampf der US-Bundesbehörden gegen die Cosa Nostra. Die zeitgleiche Inhaftierung der Führungsspitze von vier Familien schwächte die organisatorische Schlagkraft der New Yorker Mafia nachhaltig und ebnete den Weg für weitere Großverfahren in den 1990er-Jahren, darunter die Prozesse gegen John Gotti. Salerno, Corallo und Rastelli starben in Haft; Persico verbüßte seine Strafe bis zu seinem Tod im Jahr 2019.

Der Fall wird bis heute in Sachbüchern, Dokumentationen und Museumsausstellungen aufgearbeitet, unter anderem durch das Mob Museum in Las Vegas. Auf Videoplattformen finden sich umfangreiche dokumentarische Aufbereitungen der Ermittlungen, der Beweismittel und der Prozessführung. Bildmaterial aus dem Verfahren, etwa von Angeklagten und Verteidigern vor dem Bundesgericht in Manhattan, ist über große Bildarchive zugänglich und prägt bis heute die visuelle Erinnerung an den Prozess.

Medienberichterstattung

TV series

  • Fear City: New York vs The Mafia(2026)
  • American Godfathers: The Five Families(2026)

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