
Bad Boy Billionaires: India – Milliardenbetrug auf Netflix
Die Netflix-Doku über Indiens größte Finanzskandale
Fakten
Worum geht es in der Serie?
Bad Boy Billionaires: India ist eine Anthologie-Dokumentarserie auf Netflix, die in vier separaten Episoden vier der spektakulärsten Finanzskandale der modernen indischen Geschichte aufarbeitet. Die Serie porträtiert die Milliardäre hinter den Betrügereien: den Airline-König Vijay Mallya, den Diamantjuwelier Nirav Modi, den Konzerngründer Subrata Roy und den IT-Pionier B. Ramalinga Raju. Gemeinsam sollen sie Summen veruntreut haben, die sich auf Hunderte von Milliarden Rupien belaufen. Die Serie ist nicht nur ein Einblick in Kriminalität auf höchstem Niveau – sie erzählt auch von Gier, Machtmissbrauch und einem Finanzsystem, das das Vertrauen von Millionen gewöhnlicher Inder erschüttert hat.
Vijay Mallya – Der Zusammenbruch von Kingfisher Airlines
Vijay Mallya, Sohn des indischen Brauereikönigs Vittal Mallya, gründete Kingfisher Airlines im Jahr 2005 und verwandelte die Fluggesellschaft rasch in Indiens zweitgrößte Airline. Hinter dem Glamour verbarg sich jedoch eine finanzielle Katastrophe: Mallya wird beschuldigt, rund 9.000 Crore Rupien – umgerechnet etwa 1,2 Milliarden US-Dollar – aus mehr als elf indischen Banken abgezweigt zu haben, während die Fluggesellschaft zwischen 2005 und 2012 langsam in den Ruin trieb. Das Geld soll angeblich für einen extravaganten Lebensstil verwendet worden sein: Luxusjachten, ein Formel-1-Team und Immobilien im Ausland. Tausende Mitarbeiter verloren ihre Arbeit, die Banken blieben auf enormen Verlusten sitzen.
2016 floh Mallya nach London. Seitdem bemühen sich indische Behörden um seine Auslieferung – bislang ohne abschließenden Erfolg. Der Fall Mallya steht beispielhaft für die enge Verflechtung von politischer Macht, Bankenwesen und persönlicher Bereicherung in Indien. Wirtschaftskriminalität Indien
Nirav Modi – Der Punjab-National-Bank-Diamantbetrug
Nirav Modi galt als einer der bekanntesten Juweliere Indiens – seine Schmuckstücke zierten internationale Prominente und wurden in Boutiquen von New York bis Hongkong verkauft. Hinter der glänzenden Fassade verbarg sich jedoch einer der größten Bankbetrügereien, die das Land je erlebt hat.
Modi und sein Onkel Mehul Choksi fälschten zwischen 2011 und 2016 sogenannte Letters of Undertaking (Bürgschaftsbriefe) bei der Punjab National Bank und erschlichen sich damit Garantien für fiktive Auslandstransaktionen im Gesamtwert von rund 14.000 Crore Rupien – etwa 1,8 Milliarden US-Dollar. Der Betrug flog im Januar 2018 bei einer internen Revision der Bank auf. Modi floh daraufhin nach London, wo er bis heute auf seine Auslieferung nach Indien wartet. Bankbetrug Auslieferung
Subrata Roy – Saharas illegales Investitionssystem
Subrata Roy baute Sahara India Pariwar aus bescheidenen Anfängen im Bundesstaat Bihar zu einem der größten indischen Konzerne auf – mit Interessen in den Bereichen Medien, Immobilien, Luftfahrt und Finanzen. Zwischen den 1990er-Jahren und 2013 sammelte die Sahara Group rund 24.000 Crore Rupien – gut 3 Milliarden US-Dollar – von über einer Million Investoren ein, vorwiegend einfachen Mittelstandsfamilien. Dies geschah über sogenannte Chit Funds und Anleihen, die der Oberste Gerichtshof Indiens 2013 für illegal erklärte.
Viele Anleger verloren ihre gesamten Ersparnisse. Roy wurde 2014 verhaftet und später gegen Kaution freigelassen, doch die unerfüllten Rückzahlungsverpflichtungen des Konzerns verfolgten ihn juristisch bis zu seinem Tod im November 2023. Sein Fall zeigt, wie anfällig Kleinanleger für charismatische Unternehmer sein können, die staatliche Aufsichtsmechanismen geschickt umgehen. Anlagebetrug Schneeballsystem
B. Ramalinga Raju – Der Satyam-Skandal, Indiens Enron
B. Ramalinga Raju gründete Satyam Computers 1987 in Hyderabad und baute das Unternehmen zu einem globalen IT-Riesen mit über 50.000 Mitarbeitern und Kunden wie Microsoft und Delphi aus. Im Dezember 2008 erschütterte er die gesamte indische Wirtschaftswelt, als er in einem offenen Brief eingestand, die Bücher des Unternehmens jahrelang gefälscht zu haben. Der Fall wurde schnell mit dem Enron-Skandal in den USA verglichen und gilt bis heute als einer der gravierendsten Fälle von Bilanzfälschung in der Geschichte Indiens.
Die Satyam-Affäre offenbarte nicht nur das Versagen des Unternehmens selbst, sondern auch gravierende Lücken in der Wirtschaftsprüfung und Unternehmensaufsicht in Indien – mit weitreichenden Konsequenzen für das Vertrauen internationaler Investoren in indische Börsenunternehmen.


