Die Brabant-Killer: Belgiens blutigste ungeklärte Mordserie
28 Tote bei Raubüberfällen zwischen 1982 und 1985
Veröffentlicht 6. Juni 2025

Klassifizierung:
Fakten
Was geschah
Zwischen 1982 und 1985 versetzte eine bis heute unidentifizierte Verbrechergruppe Belgien in Angst und Schrecken. Die **Brabant-Killer** – auch als Nijvel-Gang oder *les Tueurs du Brabant* bekannt – verübten eine Serie brutaler Raubüberfälle, bei denen 28 Menschen starben und zahlreiche weitere verletzt wurden. Die Täter wurden niemals gefasst.
Die Verbrechen begannen Ende 1981 oder Anfang 1982. Quellen nennen entweder einen Restaurantüberfall in Beersel im Dezember 1981 oder einen Waffendiebstahl in Dinant Anfang 1982 als erste Tat der Gruppe. Was diese Verbrechen von gewöhnlichen Raubüberfällen unterschied, war die extreme und scheinbar grundlose Gewalt der Täter.
Am 14. August 1982 attackierte die Gang bei einem Raubüberfall in Maubeuge, Frankreich, Polizisten und eröffnete das Feuer auf französische Beamte. Nur wenige Wochen später, am 30. September 1982, überfielen sie ein Waffengeschäft in Brüssel und töteten dabei einen Polizisten, zwei weitere wurden verletzt.
Zeitlinie
Möglicher erster Angriff in Beersel
Restaurantüberfall in Beersel, bei dem ein Wachmann zu Tode gefoltert wurde. Manche Quellen sehen dies als Beginn der Serie, andere nennen einen Waffendiebstahl in Dinant Anfang 1982.
Angriff in Maubeuge, Frankreich
Die Bande schoss während eines Überfalls in Maubeuge, Frankreich, auf französische Polizisten.
Waffengeschäft in Brüssel angegriffen
Ein Polizeibeamter wurde bei einem Angriff auf ein Waffengeschäft in Brüssel getötet, zwei weitere wurden verletzt.
Massaker von Aalst – letzter Angriff
Der tödlichste Angriff auf den Delhaize-Supermarkt in Aalst forderte 8 Menschenleben. Dies war der letzte bekannte Angriff der Bande, bevor sie spurlos verschwand.
Erneutes Interesse und Gedenkstätte
Der Fall weckte erneut öffentliches Interesse, und es wurde eine Gedenkstätte für die Opfer errichtet. Die Ermittlungen bleiben weiterhin offen.
Gedenken nach 40 Jahren
Der Opfer wurde 40 Jahre später gedacht. Der Fall bleibt ungeklärt.
Der verheerendste Angriff ereignete sich am 9. November 1985 in einem Delhaize-Supermarkt in Aalst, Belgien. Gegen 19:45 Uhr stürmte die Gang das Geschäft und tötete acht Menschen, sieben weitere wurden im Laden verletzt. Zusätzlich wurden Zivilisten vor dem Supermarkt erschossen. Dieses Massaker sollte die letzte bekannte Aktion der Gruppe sein.
Nach dem Überfall in Aalst verschwanden die **Brabant-Killer** spurlos und schlugen nie wieder zu.
Ermittlung
Die belgischen Ermittlungen zu den Brabant-Killern zogen sich über Jahrzehnte hin und entwickelten sich zu einer der komplexesten und frustrierendsten Kriminaluntersuchungen des Landes. Trotz umfangreicher polizeilicher Arbeit blieb die Identität der Täter ungeklärt.
Die Ermittler standen vor zahlreichen Herausforderungen. Die Gang operierte mit militärischer Präzision, was auf mögliche Ausbildung oder Erfahrung im Sicherheits- oder Polizeidienst hindeutete. Zeugen beschrieben die Angreifer als diszipliniert und methodisch, was zu Spekulationen über deren Hintergrund führte.
Die Tatsache, dass sich die Verbrechen über mehrere Orte in Belgien und sogar bis nach Frankreich erstreckten, erschwerte die Koordination zwischen verschiedenen Polizeibehörden. Die Anschläge ereigneten sich zudem vor der Ära moderner DNA-Analyse und digitaler Überwachung, was die forensischen Möglichkeiten stark einschränkte.
Im Laufe der Jahre entstanden verschiedene Theorien über die mögliche Identität der Täter. Einige Ermittler vermuteten Verbindungen zu rechtsextremen Gruppen, andere theoretisierten über Verbindungen zur organisierten Kriminalität oder sogar über abtrünnige Elemente innerhalb der belgischen Sicherheitsdienste. Keine dieser Theorien konnte jemals definitiv bewiesen werden.
Der Fall generierte Tausende von Hinweisen und Spuren, doch keine führte zur eindeutigen Identifizierung der Täter.
Status
Die Brabant-Killer bleiben einer der rätselhaftesten Cold Cases Europas. Obwohl belgische Behörden den Fall nie offiziell geschlossen haben, verliefen alle konkreten Ermittlungsansätze im Sands.
Das plötzliche Ende der Anschlagsserie wirft bis heute Fragen auf. Warum stellte die Gang ihre Aktivitäten nach dem Massaker von Aalst vollständig ein? Starben die Täter? Flohen sie ins Ausland? Oder beschlossen sie einfach aufzuhören?
Für deutsche, österreichische und schweizerische Leser zeigt dieser Fall exemplarisch die Herausforderungen grenzüberschreitender Kriminalität in Europa vor der Ära von Europol und modernen Fahndungsmethoden. Die mangelnde Koordination zwischen belgischen und französischen Behörden in den 1980er Jahren erschwerte die Aufklärung zusätzlich.
Die Brabant-Killer-Morde gehören zu den schwersten ungeklärten Verbrechen in der europäischen Nachkriegsgeschichte und werfen bis heute einen Schatten auf Belgiens Justizgeschichte. Die Angehörigen der 28 Opfer warten nach fast vier Jahrzehnten noch immer auf Antworten.
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