Der Fall Eddie Gallagher — US-Militärprozess um Kriegsverbrechen
Mosul, Irak, 2017 — Navy-SEAL-Kriegsverbrecherprozess, 2019 rechtskräftig abgeschlossen
Veröffentlicht 2. Juni 2026

Falldetails
Quick Facts
Klassifizierung:
Der Fall
Der Fall Eddie Gallagher ist ein US-amerikanisches Militärgerichtsverfahren wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen, das 2018 und 2019 internationale Aufmerksamkeit erregte. Im Mittelpunkt stand der hochdekorierte Navy-SEAL-Chief Edward R. „Eddie" Gallagher), dem vorgeworfen wurde, während seines Irak-Einsatzes 2017 in Mosul einen verletzten, 17-jährigen Gefangenen der Terrormiliz „Islamischer Staat" (IS) mit einem Messer getötet zu haben. Der Fall ist kein ziviler Mordprozess, sondern ein Court-Martial nach dem Uniform Code of Military Justice (UCMJ) — und er endete am 2. Juli 2019 mit einem Freispruch in den schwersten Anklagepunkten.
Gallagher wurde lediglich wegen unzulässigen Posierens für ein Foto mit einem Toten verurteilt. Das Verfahren entwickelte sich zu einem politisch aufgeladenen Symbolfall: Befürworter sahen in ihm einen zu Unrecht verfolgten Kriegshelden, Kritiker einen Soldaten, dessen eigene Kameraden ihn schwer belasteten.
Das Verbrechen
Die Anklage warf Gallagher vor, während seiner Stationierung in der nordirakischen Stadt Mosul im Frühjahr 2017 einen bereits verwundeten, gefesselten IS-Kämpfer im Teenageralter mit einem Klappmesser im Hals erstochen zu haben. Der Gefangene war zuvor von einem Sanitäter der Einheit behandelt worden. Nach der mutmaßlichen Tötung soll Gallagher mit dem Leichnam für ein inoffizielles Foto posiert und das Bild über Messenger-Dienste verbreitet haben. Auf einem der Fotos hielt er den Kopf des Toten an den Haaren hoch.
Zeitlinie
Einsatz im Irak
Gallagher wurde mit der Alpha Platoon des SEAL Team 7 nach Mosul, Irak, entsandt, um an Operationen gegen den IS teilzunehmen.
Mutmaßlicher Messerangriff
Staatsanwälte behaupteten später, Gallagher habe in Mosul einen verwundeten 17-jährigen IS-Gefangenen mit einem Messer getötet und sich selbst mit der Leiche fotografiert.
Festnahme
Gallagher wurde von den Behörden der Marine festgenommen, nachdem Aussagen von Mitgliedern seiner eigenen Einheit eine NCIS-Ermittlung ausgelöst hatten.
Kriegsgerichtsverfahren beginnt
Gallaghers Prozess beginnt auf der Naval Base San Diego nach dem Uniform Code of Military Justice; SEAL-Zeugen sagen zu den Ereignissen in Mosul aus.
Urteil
Eine Militärjury sprach Gallagher vom Mordvorwurf und den meisten übrigen Anklagepunkten frei und verurteilte ihn ausschließlich wegen unrechtmäßigen Posierens für ein Foto mit einem menschlichen Opfer.
Strafmaß
Gallagher erhielt vier Monate Haft und eine Herabstufung im Dienstgrad; da er bereits 201 Tage in Untersuchungshaft verbracht hatte, wurde er entlassen.
Streit um das Trident-Abzeichen
Präsident Donald Trump griff in die Verfahren der Marine ein, um Gallaghers SEAL-Trident-Abzeichen zu erhalten, was zum Rücktritt des Marineministers führte.
Öffentliches Leben nach dem Prozess
Berichte dokumentierten Gallaghers Aktivitäten nach dem Freispruch, seine öffentlichen Äußerungen sowie fortlaufende Streitigkeiten mit früheren Teamkameraden.
Darüber hinaus warf die Militärstaatsanwaltschaft Gallagher unter anderem vor, aus großer Entfernung wahllos auf irakische Zivilisten geschossen zu haben — darunter ein älterer Mann und ein junges Mädchen — sowie Zeugen eingeschüchtert und Beweise behindert zu haben. Auch der Konsum kontrollierter Substanzen war Teil der insgesamt mehr als einem Dutzend Anklagepunkte.
Die Opfer
Das zentrale mutmaßliche Opfer war ein etwa 17-jähriger Kämpfer des IS, der in der Schlacht um Mosul verwundet in die Obhut der US-amerikanischen Spezialeinheit geraten war. Sein Name wurde in den veröffentlichten Verfahrensunterlagen und der Berichterstattung nicht öffentlich gemacht. Die Tatsache, dass es sich um einen jugendlichen, verletzten und wehrlosen Gefangenen handelte, war für die Anklage entscheidend: Nach humanitärem Völkerrecht und dem UCMJ ist die Tötung eines hors de combat befindlichen Gegners strikt verboten.
Weitere mutmaßliche Opfer waren irakische Zivilisten, auf die Gallagher angeblich aus Scharfschützenpositionen gefeuert haben soll.
Ermittlung
Die Ermittlungen kamen ins Rollen, nachdem mehrere Angehörige der Alpha-Platoon des SEAL Team 7 ihre Bedenken intern meldeten. Der Naval Criminal Investigative Service (NCIS) befragte zahlreiche Platoon-Mitglieder, die übereinstimmend schilderten, sie hätten gesehen oder gehört, wie Gallagher den jungen Gefangenen erstochen habe. Einige berichteten zudem, sie hätten anschließend selbst Aufnahmen mit dem Leichnam machen müssen, um in die Mittäterschaft eingebunden zu werden.
Am 11. September 2018 wurde Gallagher festgenommen und in Untersuchungshaft genommen. Insgesamt verbrachte er 201 Tage in Pretrial Confinement, ehe er auf Anordnung des damaligen Präsidenten Donald Trump in eine weniger restriktive Unterbringung verlegt wurde. Die Ermittler stützten sich auf Zeugenaussagen, Textnachrichten, Fotos sowie forensische Gutachten zur Wunde des Getöteten.
Prozess und Urteil
Der Prozess vor einem Militärgericht in San Diego begann im Juni 2019 und wurde von einer überraschenden Wendung geprägt: Der Sanitäter Corey Scott, der den Gefangenen behandelt hatte, sagte unter Immunität aus, nicht Gallagher, sondern er selbst habe den Verletzten getötet, indem er dessen Beatmungsschlauch blockiert habe. Diese Aussage erschütterte das Beweisgebäude der Anklage erheblich.
Am 2. Juli 2019 sprach die Militärjury Gallagher in allen schweren Punkten — darunter vorsätzlicher Mord, versuchter Mord an Zivilisten und Behinderung der Justiz — frei. Schuldig befunden wurde er allein des Verstoßes gegen das militärische Verbot, sich mit einem Toten fotografieren zu lassen. Das Strafmaß lag bei vier Monaten Haft und einer Degradierung um einen Dienstgrad; da die Untersuchungshaft bereits weit darüber hinausging, kam Gallagher unmittelbar frei.
Heute
Der Fall blieb auch nach dem Urteil politisch und gesellschaftlich umstritten. Präsident Trump griff im November 2019 in die interne Disziplinargewalt der Marine ein und untersagte die geplante Aberkennung des SEAL-Trident-Abzeichens. Der damalige Marineminister Richard Spencer wurde im Zuge dieses Konflikts entlassen. Gallagher schied schließlich im Rang eines Chief Petty Officer aus dem aktiven Dienst aus.
Nach seinem Ausscheiden trat Gallagher öffentlichkeitswirksam auf, veröffentlichte ein Buch und gründete gemeinsam mit seiner Ehefrau Andrea eine gemeinnützige Organisation für US-Soldaten, denen Vergehen vorgeworfen werden. Zugleich äußerten sich frühere Kameraden weiterhin kritisch und beschrieben den Fall als symptomatisch für strukturelle Probleme innerhalb der SEAL-Teams.
Mehrere Dokumentationen und Hintergrundreportagen widmen sich bis heute dem Verfahren, das in den Vereinigten Staaten zur Grundsatzdebatte über militärische Verantwortung, politische Einflussnahme und das Verhältnis von Loyalität und Rechtsstaatlichkeit innerhalb der Spezialeinheiten wurde.
Medienberichterstattung
TV series
- The Line(2026)
Zu diesem Fall fragen
Antworten nur aus der Berichterstattung von KrimiNytDiesem Fall folgen
Erhalte eine E-Mail, wenn eine neue Doku, ein Podcast oder ein Buch zu Der Fall Eddie Gallagher — US-Militärprozess um Kriegsverbrechen erscheint oder ein Urteil fällt.

