Fall Glenn Summerford — Pfingstprediger und Klapperschlangen
Scottsboro, Alabama, 1991 — verurteilt zu 99 Jahren Haft wegen versuchten Mordes
Veröffentlicht 2. Juni 2026

Falldetails
Quick Facts
Klassifizierung:
Der Fall
Der Fall Glenn Summerford gehört zu den ungewöhnlichsten Mordversuchsfällen in der jüngeren US-amerikanischen Justizgeschichte. Im Mittelpunkt steht der Pfingstprediger Glenn Summerford, der 1991 in Scottsboro im Bundesstaat Alabama versucht haben soll, seine Ehefrau Darlene Summerford zu töten — indem er sie zwang, ihre Hand in einen Kasten mit lebenden Klapperschlangen zu stecken. Der Fall verbindet häusliche Gewalt mit dem religiösen Phänomen des sogenannten Snake Handling, einer in einigen Pfingstgemeinden der Appalachen praktizierten Form der Gottesverehrung, bei der Gläubige giftige Schlangen als Glaubensbeweis in die Hand nehmen.
Das Verbrechen
Nach den Feststellungen der Anklage ereignete sich die Tat 1991 im Haus der Eheleute Summerford in Scottsboro, Jackson County. Glenn Summerford soll seine Ehefrau in der Tatnacht mit einer Waffe bedroht und sie gezwungen haben, ihre Hand wiederholt in einen Schlangenkasten zu stecken, in dem er die für seine Gottesdienste verwendeten Klapperschlangen hielt. Darlene Summerford erlitt mehrere Schlangenbisse, überlebte den Angriff jedoch und konnte später als zentrale Belastungszeugin gegen ihren Mann aussagen. Die Anklage stützte sich auf ihre Aussage, auf die medizinisch dokumentierten Bissverletzungen sowie auf die ungewöhnliche Tatumgebung, die im Kontext der von Summerford geleiteten Schlangenkult-Gemeinde eingeordnet wurde.
Die Opfer
Das Opfer war Darlene Summerford, die Ehefrau des Angeklagten. Sie überlebte den Angriff trotz der Bisse mehrerer Klapperschlangen — ein medizinisch bemerkenswertes Ergebnis, das in der späteren Berichterstattung oft hervorgehoben wurde. Ihre Aussage im Prozess war entscheidend für die Verurteilung. Darlene schilderte sowohl den unmittelbaren Tatablauf als auch den religiösen und familiären Kontext, in dem die Tat stattfand. Ihre Schilderungen prägten später auch die mediale Aufarbeitung des Falls, etwa in der HBO-Dokumentation 'Alabama Snake'.
Zeitlinie
Angriff in Scottsboro
Glenn Summerford soll die Hand seiner Frau Darlene in ein Klapperschlangenbecken bei ihrem Haus in Scottsboro, Alabama, gedrückt haben, wodurch sie schwere Schlangenbissverletzungen erlitt.
Festnahme und Anklage
Summerford wurde wegen versuchten Mordes angeklagt, nachdem Darlene den Ermittlern, darunter Officer Clarence Bolte, ihre Aussage gemacht hatte.
Prozessbeginn
Der Prozess wegen versuchten Mordes begann in Jackson County, wobei der religiöse Kontext des Schlangenhandlings in den Zeugenaussagen eine zentrale Rolle spielte.
Schuldspruch
Eine Jury befand Summerford im Sinne der Anklage des versuchten Mordes an seiner Frau Darlene für schuldig.
99 Jahre Haft
Summerford wurde nach Alabamas Bestimmungen für Wiederholungstäter zu 99 Jahren Haft in einem Staatsgefängnis Alabamas verurteilt.
Berufungsverfahren
Der Alabama Court of Criminal Appeals behandelte den Fall als Summerford v. State (CR-91-1106) und äußerte sich zu den Anträgen der Verteidigung auf Herausgabe von Ermittlungsunterlagen.
HBO veröffentlicht 'Alabama Snake'
HBO feierte Premiere mit der Dokumentation 'Alabama Snake', die den Fall Summerford und die schlangenhandhabende Pfingstlertradition erneut aufgriff.
Ermittlung
Die Ermittlungen wurden von den örtlichen Strafverfolgungsbehörden in Jackson County geführt. Aus dem Berufungsverfahren ist bekannt, dass die Verteidigung Einsicht in die Ermittlungsnotizen des zuständigen Beamten Clarence Bolte beantragte. Das erstinstanzliche Gericht prüfte diese Unterlagen, befand sie jedoch als nicht entlastend und gab sie nicht an die Verteidigung heraus. Die Beweisführung der Staatsanwaltschaft stützte sich neben Darlenes Aussage und den medizinischen Befunden insbesondere auf die im Haushalt vorgefundenen Schlangen und die Tatsache, dass Summerford in seiner Gemeinde regelmäßig mit Giftschlangen umging. Diese Beweise wurden im Berufungsverfahren vor dem Alabama Court of Criminal Appeals ausführlich gewürdigt.
Prozess und Urteil
Der Prozess fand 1992 vor einem Geschworenengericht in Jackson County, Alabama, statt. Die Jury befand Glenn Summerford des versuchten Mordes für schuldig — „guilty as charged in the indictment". Aufgrund von Alabamas Habitual-Offender-Regelung, die für Wiederholungstäter erheblich verschärfte Strafen vorsieht, wurde Summerford zu 99 Jahren Haft im Staatsgefängnis von Alabama verurteilt. Die Berufung wurde unter dem Aktenzeichen CR-91-1106 vor dem Alabama Court of Criminal Appeals verhandelt; die wesentlichen Verfahrensentscheidungen — darunter die Behandlung der Ermittlungsunterlagen von Officer Bolte — wurden bestätigt. Der Fall gilt seitdem juristisch als abgeschlossen und ist als Verurteilung gewertet.
Heute
Glenn Summerford verbüßt nach Berichten weiterhin seine Haftstrafe in Alabama. Der Fall hat über die Jahre hinweg erhebliches öffentliches und akademisches Interesse erfahren, vor allem wegen seines Bezugs zur religiösen Praxis der Schlangenhandhabung in den Appalachen. 2020 veröffentlichte HBO die Dokumentation Alabama Snake, die den Fall ausführlich aus juristischer, religiöser und persönlicher Perspektive aufarbeitet. Weitere Aufmerksamkeit erhielt der Fall durch eine eigene Folgenreihe des Podcasts 'Alabama Astronaut', der sich intensiv mit der Pfingstkultur des amerikanischen Südens beschäftigt. Der Fall wird heute oft als Beispiel dafür herangezogen, wie sich häusliche Gewalt, religiöser Extremismus und ländliche Strafverfolgung in den USA überschneiden können. Die Kombination aus einem überlebenden Opfer, einer geständigen Glaubensgemeinschaft und einer ungewöhnlichen Tatwaffe macht den Fall Summerford zu einem der meistdiskutierten True-Crime-Fälle Alabamas.
Medienberichterstattung
TV series
- Alabama Snake(2026)
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