Neun Jahre Gefangenschaft: Fusako Sano und ihr Entführer Nobuyuki Satō
Ein 9-jähriges Mädchen verschwand 1990 in Japan – fast ein Jahrzehnt lang hielt ein arbeitsloser Mann sie versteckt, nur 200 Meter von einer Polizeistation entfernt.
Veröffentlicht 6. Juni 2025

Fakten
Am 13. November 1990 verschwand die neunjährige Fusako Sano spurlos in Kashiwazaki in der Präfektur Niigata, Japan. Der 28-jährige arbeitslose Nobuyuki Satō (geboren am 15. Juli 1962) hatte sie entführt und sollte sie über neun Jahre und zwei Monate unter physischem und psychischem Terror gefangen halten.
Versteckt im Wohnhaus – 200 Meter von der Polizei entfernt
Satō sperrte Sano im Obergeschoss seiner Wohnung in einem Wohnviertel ein. Was den Fall besonders erschütternd macht: Die Wohnung befand sich nur 200 Meter von einer Polizeistation entfernt – dennoch dauerte es fast ein Jahrzehnt, bis die Entführung aufgedeckt wurde.
Während ihrer langen Gefangenschaft wurde Sano brutal misshandelt. Satō setzte einen Elektroschocker zur Bestrafung ein, hielt sie gefesselt und bedrohte sie ständig mit Messer und Schlägen. Jeder Kontakt zur Außenwelt war ihr verwehrt.
Zeitlinie
9-jährige Fusako Sano entführt
Am 13. November 1990 verschwindet die 9-jährige Fusako Sano in der Präfektur Niigata, Japan. Sie wird anschließend in Nobuyuki Satōs Wohnung in Kashiwazaki gefangen gehalten.
Fusako Sano gefunden – Satō festgenommen
Am 28. Januar 2000, nach 9 Jahren und 2 Monaten in Gefangenschaft, wird Fusako Sano lebend in Satōs Wohnung in Kashiwazaki gefunden. Satō wird noch am selben Tag festgenommen.
Anklage gegen Nobuyuki Satō erhoben
Im Februar 2000 wird Nobuyuki Satō beschuldigt und vor dem Niigata District Court wegen Entführung und rechtswidriger Freiheitsberaubung angeklagt.
Satō schuldig gesprochen – 14 Jahre Haft
Das Niigata District Court befindet Nobuyuki Satō für schuldig. Er hat sich beim ersten Gerichtstermin schuldig bekannt. Das Strafmaß wird auf 14 Jahre Gefängnis festgesetzt.
Japans Oberster Gerichtshof bestätigt 14-Jahres-Urteil
Am 10. Juli 2003 weist Japans Oberster Gerichtshof die Berufungen beider Parteien zurück und bestätigt das ursprüngliche Urteil von 14 Jahren Gefängnis gegen Nobuyuki Satō.
Entführung Japan
Eine Vorstrafe, die übersehen wurde
Besonders brisant: Satō war bereits am 19. September 1989 wegen Gewalt gegen ein anderes Mädchen verurteilt worden. Trotz dieser Vorstrafe wurde sein Name später aus dem entsprechenden Register gestrichen – er galt deshalb nicht als Verdächtiger, als Sano etwa ein Jahr später entführt wurde.
Satōs Mutter wohnte im Erdgeschoss desselben Hauses. Sie wurde nicht mit den Verbrechen in Verbindung gebracht; ihre Fingerabdrücke wurden in Satōs Zimmer nicht gefunden.
Polizeiversagen Ermittlungsfehler
Befreiung durch einen Krankenhausbesuch
Die Entdeckung erfolgte schließlich auf zufällige Weise. Am 28. Januar 2000 verließ Sano – inzwischen 19 Jahre alt – zum ersten Mal seit fast einem Jahrzehnt das Haus. Sie sollte ein Krankenhaus aufsuchen. Dieser Ausflug brachte ihr Schicksal ans Licht: Sie wurde entdeckt, und Satō wurde noch am selben Tag verhaftet.
Opfer Langzeitgefangenschaft
Verurteilung und Tod des Täters
Satō wurde wegen Entführung verurteilt und zu neun Jahren Haft verurteilt. Der Fall gilt als einer der umstrittensten in der japanischen Kriminalgeschichte – nicht zuletzt wegen des Versagens der Behörden und systemischer Mängel, die es ermöglichten, dass ein Opfer so lange versteckt gehalten wurde, praktisch in unmittelbarer Nähe einer Polizeistation.
Nobuyuki Satō starb 2017 im Alter von 53 Jahren. Die genaue Todesursache wurde nie abschließend geklärt.
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