Houston Mass Murders — Serienmorde an Teenagern in Texas
Houston und Pasadena, Texas, 1970–1973; Fall gilt als aufgeklärt
Veröffentlicht 2. Juni 2026

Fakten
Der Fall
Die Houston Mass Murders sind eine der schwersten Serienmordfälle der US-amerikanischen Kriminalgeschichte. Zwischen 1970 und 1973 wurden in Houston und der angrenzenden Stadt Pasadena im US-Bundesstaat Texas mindestens 28 Jungen und junge Männer entführt, vergewaltigt, gefoltert und getötet. Verantwortlich waren der Dean Arnold Corll, in der Nachbarschaft als „Candy Man“ bekannt, sowie seine beiden jugendlichen Komplizen David Owen Brooks und Elmer Wayne Henley Jr. Der Fall wurde am 8. August 1973 öffentlich, nachdem Henley Corll in dessen Haus in Pasadena erschossen und anschließend die Polizei alarmiert hatte.
Das Verbrechen
Corll lebte über Jahre hinweg unauffällig in Arbeitervierteln im Großraum Houston, vor allem im Stadtteil Houston Heights. Mit Hilfe der deutlich jüngeren Brooks und Henley lockte er gezielt Jugendliche in seine wechselnden Wohnungen. Die jungen Männer wurden mit Versprechen von Partys, Alkohol oder Drogen geködert, anschließend gefesselt, auf einem präparierten Holzbrett oder Bett festgeschnallt, vergewaltigt und stundenlang gequält. Die Tötung erfolgte überwiegend durch Erdrosseln oder Schüsse in den Kopf; einige Opfer wiesen außerdem schwere stumpfe Gewalteinwirkungen auf.
Die Leichen wurden in einer angemieteten Bootshalle, an Stränden bei High Island sowie in einem Wald in Sam Rayburn vergraben. Über Jahre fiel das Verschwinden zahlreicher Teenager aus denselben Vierteln zwar Eltern und Angehörigen auf, wurde von den Behörden jedoch lange nicht systematisch verfolgt — viele Fälle galten als Ausreißer.
Zeitlinie
Die ersten Morde beginnen im Raum Houston
Ab September 1970 beginnt Dean Corll, unterstützt von David Owen Brooks, systematisch Teenager-Jungen und junge Männer in Houston und Pasadena, Texas, zu entführen und zu töten.
Henley tötet Corll – Fall wird aufgedeckt
Am 8. August 1973 erschießt Elmer Wayne Henley Jr. Dean Corll. Henley kontaktiert die Polizei, und die Ermittlungen zu einem der schwerwiegendsten Serienmordfälle der USA beginnen.
Ausgrabung und Identifizierung von 27 Leichen beginnt
Im August 1973 finden Ausgrabungen an vier Orten statt: einem Schuppen, dem Strand bei High Island, einem Waldstück nahe Lake Sam Rayburn und einer Bootslageranlage. 27 Leichen werden gefunden und identifiziert; die Leiche von Mark Scott wird nie gefunden.
Henley und Brooks vor Gericht in Texas verurteilt
Elmer Wayne Henley Jr. wird wegen sechs Morden verurteilt. David Owen Brooks wird wegen eines Mordes verurteilt und von den Gerichten in Texas zu lebenslanger Haft verurteilt.
Die Opfer
Die identifizierten Opfer waren überwiegend Jungen und junge Männer im Alter von etwa 13 bis 20 Jahren. Viele stammten aus einfachen Verhältnissen aus dem Stadtteil Houston Heights, einige kannten Brooks oder Henley persönlich aus der Schule oder Nachbarschaft. Zu den namentlich genannten Opfern gehört unter anderem der 17-jährige Steven Kent Sickman, dessen Schicksal Jahrzehnte später erneut Aufmerksamkeit erhielt, als das National Center for Missing & Exploited Children seinen Fall aufarbeitete.
Die genaue Opferzahl ist bis heute nicht abschließend geklärt. Offiziell werden mindestens 28 bis 29 Tötungen Corll und seinen Komplizen zugeschrieben; Ermittler halten weitere, nie identifizierte Opfer für möglich.
Ermittlung
Der Durchbruch kam unerwartet. In der Nacht zum 8. August 1973 brachte Henley zwei Bekannte – einen jungen Mann und ein Mädchen – mit in Corlls Haus an der Adresse 2020 Lamar Street in Pasadena. Corll wollte beide ebenfalls überwältigen, geriet jedoch in Streit mit Henley. Henley griff zu einer Pistole und erschoss Corll. Anschließend rief er selbst die Polizei.
Noch am Tatort begann Henley auszusagen. Am 9. August 1973 gab er ein vollständiges schriftliches Geständnis ab, in dem er sowohl seine eigene Beteiligung als auch die von Brooks detailliert beschrieb. Brooks legte kurz darauf ebenfalls ein Geständnis ab. Auf Grundlage der Aussagen führten die Ermittler die Polizei zu den Vergrabungsstellen. In der Bootshalle wurden zahlreiche Leichen geborgen, am 13. August 1973 kamen vier weitere Tote vom Strand von High Island hinzu; die bekannte Opferzahl stieg damit zunächst auf 27.
Prozess und Urteil
Am 14. August 1973 erhob eine Grand Jury Anklage: Henley wegen dreifachen Mordes, Brooks wegen einfachen Mordes. Beide wurden in der Folge zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Henley erhielt schließlich sechs aufeinanderfolgende lebenslange Haftstrafen, was eine vorzeitige Entlassung praktisch ausschließt. Am 18. September 1973 entschied die Staatsanwaltschaft, dass die Tötung Corlls durch Henley als Notwehr zu werten sei; deswegen wurde Henley in diesem Punkt nicht angeklagt.
Brooks ist 2020 in Haft an den Folgen einer COVID-19-Erkrankung verstorben. Henley befindet sich weiterhin im texanischen Strafvollzug; seine wiederkehrenden Anträge auf Bewährung wurden bislang abgelehnt.
Heute
Die Houston Mass Murders gelten als aufgeklärt, prägen aber bis heute die Diskussion um Vermisstenfälle und polizeiliches Vorgehen in den USA. Hinterbliebene Familien kämpfen weiterhin gegen die mögliche Freilassung Henleys und für die Identifizierung der letzten unbekannten Opfer. Mehrere Tote aus der Bootshalle konnten erst Jahrzehnte später durch moderne DNA-Analyse zugeordnet werden.
Der Fall wurde vielfach medial aufgearbeitet — in Büchern, Fernsehdokumentationen sowie zahlreichen True-Crime-Podcasts und Videoformaten. Er gilt als frühes Beispiel dafür, wie systematisches Übersehen von Vermisstenanzeigen aus marginalisierten Vierteln eine Serientat über Jahre möglich machte. In der US-amerikanischen Kriminologie und Polizeiausbildung dient die Aktenlage bis heute als Lehrstück.
Medienberichterstattung
TV series
- Der Lehrling des Serienkillers: Die Dean Corll Story(2026)
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