Fallakte

John Christie: Der Serienmörder von 10 Rillington Place

Wie ein britischer Polizeireservist zwischen 1943 und 1953 mindestens acht Menschen in seiner Londoner Wohnung ermordete

🇬🇧 Britisch

Veröffentlicht 6. Juni 2025

A run-down kitchen at 10 Rillington Place, with a concealed alcove behind a faded wallpapered wall, hinting at the dark secrets of John Christie's gruesome murders, silently testifying to his reign of terror in London.
BEWEIS

Fakten

TäterJohn Reginald Halliday Christie (1899–1953)
OpferRuth Fuerst, Muriel Eady, Beryl Evans, Geraldine Evans, Ethel Christie, Rita Nelson, Kathleen Maloney, Hectorina MacLennan
Tatort10 Rillington Place, Notting Hill, London, England
Tatzeitpunkt24 August 1943 – 6 March 1953
DeliktSerial killings by carbon monoxide gas anaesthesia and strangulation

Der Polizist als Mörder

John Reginald Halliday Christie wurde am 8. April 1899 geboren und entwickelte sich zu einem der berüchtigsten Serienmörder Großbritanniens. Als Mitglied der War Reserve Police, einer Polizeireserve während des Zweiten Weltkriegs, genoss er das Vertrauen seiner Mitmenschen – ein Vertrauen, das er auf grausamste Weise missbrauchte. Über einen Zeitraum von etwa zehn Jahren ermordete Christie mindestens acht Menschen in seiner Wohnung in der 10 Rillington Place im Londoner Stadtteil Notting Hill.

Die Mordserie beginnt

Das erste bekannte Opfer war Ruth Fuerst, eine Prostituierte, die Christie im August 1943 tötete. Die Strangulation wurde zu seiner bevorzugten Mordmethode – eine Technik, die ihm absolute Kontrolle über seine Opfer verschaffte. Christie übte sowohl physische als auch psychische Macht über seine Opfer aus, bevor er sie umbrachte.

Nach Ruth Fuerst folgten weitere Opfer: seine Arbeitskollegin Muriel Eady, seine Mieterin Beryl Evans und deren kleine Tochter Geraldine, schließlich seine eigene Ehefrau Ethel Christie sowie die Prostituierten Rita Nelson, Kathleen Maloney und Hectorina McLennan. Alle wurden auf dieselbe grausame Weise erdrosselt.

Zeitlinie

24. August 1943

Ruth Fuerst wird getötet – erster dokumentierter Mord

Am 24. August 1943 ermordet Christie Ruth Fuerst in der Wohnung 10 Rillington Place. Es ist der erste bekannte Mord der Mordserie.

1. Oktober 1944

Muriel Eady wird im Oktober 1944 getötet

Christie ermordet Muriel Eady im Oktober 1944. Das genaue Datum innerhalb des Monats geht aus den verifizierten Quellen nicht hervor.

1. November 1949

Beryl und Geraldine Evans werden im November 1949 getötet

Christie ermordet die Mitbewohnerin Beryl Evans und ihre kleine Tochter Geraldine im November 1949. Timothy Evans wird später für diese Morde hingerichtet.

9. März 1950

Timothy Evans wird für Morde hingerichtet, die vermutlich Christie beging

Timothy Evans wird im März 1950 im Pentonville Prison hingerichtet, verurteilt wegen des Mordes an seiner Ehefrau und Tochter – Morde, die später mit Christie in Verbindung gebracht werden.

1. Dezember 1952

Ethel Christie wird im Dezember 1952 getötet

Christie ermordet im Dezember 1952 seine eigene Ehefrau Ethel. Für diesen Mord wird er 1953 formell angeklagt und verurteilt.

1. Januar 1953

Rita Nelson wird im Januar 1953 getötet

Rita Nelson wird im Januar 1953 von Christie in der Rillington Place ermordet. Die Leiche wird in der Wohnung versteckt.

1. Februar 1953

Letzter Mord

Christie begeht seinen letzten bekannten Mord im Februar 1953.

6. März 1953

Hectorina MacLennan wird getötet – der letzte Mord

Am 6. März 1953 ermordet Christie Hectorina MacLennan. Es ist der achte und letzte bekannte Mord der Serie.

24. März 1953

Entdeckung der Leichen

Der neue Mieter Beresford Brown entdeckt die versteckten Leichen in der Wohnung.

31. März 1953

Verhaftung

John Christie wird von einem Polizisten erkannt und verhaftet.

Verstecke des Grauens

Die Art und Weise, wie Christie die Leichen verbarg, war ebenso schockierend wie seine Taten selbst. Drei Frauenleichen wurden in einer Küchennische entdeckt, die er mit Tapete verkleidet hatte. Die sterblichen Überreste von zwei weiteren Opfern fanden Ermittler im Garten des Hauses. Seine eigene Frau Ethel hatte er unter den Dielen des Wohnzimmers versteckt – ein makabres Detail, das die Kaltblütigkeit des Mörder verdeutlicht.

Der verhängnisvolle Justizirrtum

Einer der dunkelsten Aspekte der Christie-Morde war die Verurteilung und Hinrichtung eines Unschuldigen. Timothy Evans, ein Mieter Christies, wurde 1950 wegen des Mordes an seiner Frau Beryl und seiner Tochter Geraldine zum Tode verurteilt und hingerichtet – Morde, die in Wahrheit John Christie begangen hatte. Dieser tragische Justizirrtum wurde erst Jahre später aufgedeckt und sollte weitreichende Folgen für das britische Rechtssystem haben.

Die Entdeckung und Verhaftung

Am 20. März 1953 verließ Christie seine Wohnung in der Rillington Place und tauchte unter. Nur vier Tage später, am 24. März, entdeckte der neue Mieter Beresford Brown die grausigen Überreste in der Wohnung. Er hatte begonnen, die Küche zu renovieren, als er auf die verdeckte Nische stieß.

Die Polizei leitete umgehend eine umfassende Fahndung ein. Am 31. März 1953 wurde Christie von einem aufmerksamen Polizisten erkannt und festgenommen. Die Beweislast gegen ihn war erdrückend.

Prozess und Hinrichtung

Vor Gericht wurde John Christie des Mordes an seiner Ehefrau Ethel für schuldig befunden. Das Gericht verurteilte ihn zum Tode durch den Strang. Nur wenige Monate nach seiner Verhaftung, am 15. Juli 1953, wurde das Urteil vollstreckt. Mit Christies Tod endete eines der dunkelsten Kapitel der britischen Kriminalgeschichte.

Folgen für die Justiz

Der Fall Christie hatte weitreichende Auswirkungen auf das britische Rechtssystem. Die Hinrichtung des unschuldigen Timothy Evans für Morde, die Christie begangen hatte, befeuerte die Debatte über die Todesstrafe in Großbritannien massiv. Der Fall wurde zu einem wichtigen Argument der Abolitionisten und trug letztendlich zur Abschaffung der Todesstrafe in Großbritannien bei.

Die 10 Rillington Place wurde später abgerissen, und die Straße umbenannt – ein Versuch, die grausame Geschichte dieses Ortes zu tilgen. Dennoch bleibt der Name John Christie synonym für eine der erschütterndsten Mordserien in der britischen Geschichte und für die Gefahren eines fehlbaren Justizsystems.

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