Lucchese-Familie: Von blutiger Mafia zu Glücksspiel-Netzwerk
Eine der mächtigsten Mafia-Organisationen New Yorks bleibt bis heute aktiv
Veröffentlicht 6. Juni 2025

Fakten
Die Lucchese-Familie ist eine der fünf etablierten Mafia-Familien, die seit Jahrzehnten die organisierte Kriminalität in New York City und Umgebung dominieren. Seit den 1970er Jahren reichen ihre kriminellen Aktivitäten von Drogenhandel über Mord bis hin zu systematischer Erpressung.
Eine Familie, geboren in organisierter Kriminalität
Von den 1970er Jahren bis Ende der 1980er Jahre wurde die New-Jersey-Fraktion der Lucchese-Familie von Anthony Accetturo und Michael Taccetta geleitet. Diese Struktur kennzeichnete eine Organisation, die sich über mehrere Gebiete ausgebreitet und erheblichen Einfluss auf Gewerkschaften sowie die Politik und Wirtschaft New Yorks etabliert hatte.
Die Familie war tief in das gesellschaftliche Gefüge der Region eingebettet – eine Verflechtung, die sie zu einem der mächtigsten Akteure der amerikanischen Mafia machte.
Zeitlinie
Bundesverfahren zu Pokerspiel gegen mehrere Mafiafamilien eröffnet
Am 23. Oktober 2025 eröffneten Bundesbehörden ein separates Verfahren wegen illegaler Pokerspiele mit Verbindungen zu den Lucchese-, Bonanno-, Gambino- und Genovese-Familien.
14 Personen in New Jersey wegen Glücksspiel und Racketeering angeklagt
Am 13. November 2025 erhob die Staatsanwaltschaft von New Jersey Anklage gegen Joseph „Little Joe“ Perna und 13 weitere Personen wegen eines Millionen-Dollar-Netzwerks für Sportwetten und Geldwäsche.
8 Personen und 3 Unternehmen bekennen sich schuldig
Im Juni 2026 legten acht Personen und drei Unternehmen vor dem Morris County Superior Court ein Schuldbekenntnis ab. Unter anderem bekannten sich George Zappola, Joseph R. Perna und John G. Perna des Racketeering schuldig.
Blutige Machtübernahme ab 1986
Ab 1986 übernahmen Victor Amuso und Anthony Casso die Kontrolle und leiteten eine der blutigsten Perioden in der Geschichte der Familie ein. Sie ordneten zahlreiche Morde an – sowohl an Mitgliedern der eigenen Organisation als auch an rivalisierenden Gruppen.
Victor Amuso wurde 1991 verhaftet und wegen seiner Verbrechen zu lebenslanger Haft verurteilt. Anthony Casso, der eng mit Amuso zusammenarbeitete, bekannte sich in 70 verschiedenen Anklagepunkten schuldig, darunter Racketeering, Erpressung und 15 Morde. Er wurde zu 455 Jahren Gefängnis verurteilt – eine der längsten Strafen in der amerikanischen Kriminalgeschichte.
Von der Führung zur Kronzeugenaussage
Einen Wendepunkt erlebte die Lucchese-Familie, als Alphonse D'Arco, der als Boss fungierte, zum ersten Boss einer New Yorker Verbrecherfamilie wurde, der gegen die Mafia aussagte. Seine Zeugenaussage erwies sich als entscheidend und führte dazu, dass etwa die Hälfte der Mitglieder der Lucchese-Familie inhaftiert wurde.
D'Arcos Entscheidung erschütterte nicht nur die eigene Familie, sondern setzte auch ein Zeichen für andere Mafia-Organisationen: Selbst die höchsten Ränge waren nicht mehr unantastbar.
Moderne Verbrechen – Glücksspiel-Netzwerke
Die Lucchese-Familie ist nicht nur eine historische Größe. Sie setzt ihre Aktivitäten bis heute fort. Am 13. November 2025 wurden Joseph Perna und 13 weitere Mitglieder angeklagt, ein umfangreiches illegales Buchmacher- und Sportwetten-Netzwerk betrieben zu haben.
Das Netzwerk generierte zwischen 2022 und 2024 mindestens zwei Millionen Dollar an illegalen Gewinnen. Die Anklage zeigt, dass die Lucchese-Familie ihre Geschäftsmodelle den Zeiten angepasst hat, ohne ihre kriminellen Wurzeln aufzugeben.
Diversifizierte Kriminalität über Jahrzehnte
Auch wenn sich die heutigen Aktivitäten hauptsächlich auf Glücksspiel konzentrieren, ist bekannt, dass die Lucchese-Familie historisch in ein breites Spektrum krimineller Operationen verwickelt war. Dazu gehören Drogenhandel, Erpressung, Luftfahrtkriminalität und Auftragsmorde.
Der wirtschaftliche und politische Einfluss der Familie in New York hat sie zu einer der bedeutendsten Organisationen der amerikanischen Mafia gemacht. Ihre Fähigkeit, sich anzupassen und über Generationen hinweg aktiv zu bleiben, unterscheidet sie von vielen anderen kriminellen Organisationen.
Eine Familie, die überlebt
Trotz zahlreicher Verhaftungen, Verurteilungen und interner Verrate hat die Lucchese-Familie ihre Strukturen aufrechterhalten können. Die Anklage von 2025 beweist, dass selbst nach Jahrzehnten der Strafverfolgung die Organisation weiterhin operiert.
Die Geschichte der Lucchese-Familie ist ein Zeugnis für die Beständigkeit organisierter Kriminalität in Amerika – und eine Erinnerung daran, dass hinter den Schlagzeilen über illegale Wetten und Drogenhandel eine Struktur steht, die tief in der Geschichte New Yorks verwurzelt ist.
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