Der Lufthansa-Raub: Jimmy Burkes legendärer Coup
Der spektakuläre Millionenraub am JFK Airport 1978 blieb offiziell ungesühnt
Veröffentlicht 6. Juni 2025

Klassifizierung:
Fakten
Am 11. Dezember 1978 ereignete sich am John F. Kennedy International Airport in New York einer der spektakulärsten Raubüberfälle der amerikanischen Kriminalgeschichte. Sechs bewaffnete Männer in schwarzen Skimasken überfielen das Frachtterminal der Lufthansa und verschwanden mit einer Beute im Wert von etwa sechs Millionen US-Dollar – in nur 64 Minuten.
Die Räuber gingen militärisch präzise vor. Sie überwältigten das Sicherheitspersonal, wussten genau, wo sich die wertvollsten Güter befanden, und transportierten Bargeld sowie Schmuckstücke ab, die nicht zurückverfolgt werden konnten. Der Coup gilt bis heute als einer der größten Bargelddiebstähle auf amerikanischem Boden.
Jimmy the Gent – der vermutete Drahtzieher
Schnell geriet James Burke, besser bekannt unter seinem Spitznamen "Jimmy the Gent", ins Visier der Ermittler. Burke war ein hochrangiges Mitglied der berüchtigten Lucchese-Familie, einer der fünf großen Mafia-Familien New Yorks, und hatte sich einen Ruf als besonders skrupelloser Gangsterboss erarbeitet.
Zeitlinie
Der Lufthansa-Raub
Sechs maskierte Männer überfallen das Lufthansa-Frachtterminal am JFK Airport und erbeuten etwa 6 Millionen US-Dollar in nur 64 Minuten.
Serie von Morden beginnt
Nach dem Raub verschwinden mehrere mutmaßliche Beteiligte unter mysteriösen Umständen. Burke wird verdächtigt, Komplizen eliminieren zu lassen.
Goodfellas setzt den Raub kulturell auf die Weltkarte
Martin Scorseses Film Goodfellas (1990) verwendet den Lufthansa-Raub als zentrales Handlungselement und macht den Fall zu einem globalen kulturellen Bezugspunkt für organisierte Kriminalität.
Vincent Asaro im Zusammenhang mit dem Fall freigesprochen
Eine Anklage gegen Vincent Asaro in den Jahren 2014–2015 endet mit einem Freispruch. Das breitere Netzwerk hinter dem Raub bleibt damit vom Rechtssystem unberührt.
Trotz intensiver Ermittlungen und obwohl Burke als Mastermind hinter dem Überfall galt, wurde er nie offiziell wegen des Lufthansa-Raubüberfalls angeklagt. Die Beweislage blieb zu dünn – was vor allem daran lag, dass potenzielle Zeugen auf mysteriöse Weise verschwanden.
Eine blutige Spur der Beseitigung
Nach dem Raub begann eine Serie von Morden, die Burke zugeschrieben werden. Ermittler und Historiker gehen davon aus, dass er systematisch mehrere seiner Komplizen ermorden ließ. Die Motive waren einfach und kaltblütig: Tote können nicht als Kronzeugen aussagen und keine Ansprüche auf ihren Anteil an der Beute stellen.
Diese Auftragsmorde sorgten dafür, dass die Beweiskette nie geschlossen werden konnte. Selbst Insider, die hätten aussagen können, schwiegen aus Angst oder waren bereits tot.
Nur ein Flughafenmitarbeiter wurde verurteilt
Lediglich Louis Werner, ein Angestellter am Flughafen, wurde im Zusammenhang mit dem Lufthansa-Raub verurteilt. Er erhielt eine Haftstrafe von 15 Jahren. Werner hatte den Tätern Insiderinformationen geliefert – über Sicherheitsvorkehrungen, Lieferzeiten und den Standort der Wertsachen.
Dass nur ein einziger Beteiligter verurteilt wurde, zeigt, wie schwierig es für die Strafverfolgungsbehörden war, trotz einer der intensivsten Ermittlungen in der Geschichte des FBI juristische Beweise zu sichern.
Burke landete wegen anderer Vergehen im Gefängnis
Ironischerweise wurde James Burke 1982 doch noch zu einer langen Haftstrafe verurteilt – allerdings nicht wegen des Lufthansa-Raubüberfalls. Er erhielt zwölf Jahre Gefängnis wegen seiner Beteiligung an einem Bestechungsskandal rund um Basketball-Spieler des Boston College in den Jahren 1978 und 1979.
Burke starb 1996 an Lungenkrebs im Gefängnis, ohne jemals für sein berühmtestes Verbrechen zur Rechenschaft gezogen worden zu sein.
Ein später Versuch der Aufklärung scheitert
Mehr als drei Jahrzehnte nach dem Raub, im Jahr 2014, verhafteten die Behörden Vincent Asaro. Ihm wurde vorgeworfen, den Überfall organisiert zu haben. Doch auch dieser Versuch, den Fall endgültig aufzuklären, scheiterte: Asaro wurde 2015 freigesprochen.
Der Lufthansa-Raub bleibt damit in rechtlicher Hinsicht offiziell ungelöst.
Ein Vermächtnis in der Popkultur
Die Geschichte des Lufthansa-Raubs wurde zum kulturellen Mythos und inspirierte Martin Scorseses legendären Film "GoodFellas" aus dem Jahr 1990. Der Film zeigt die Ereignisse aus der Perspektive von Henry Hill, einem ehemaligen Mafia-Mitglied, der später zum Kronzeugen wurde.
Der Fall steht symbolisch für die goldene Ära der organisierten Kriminalität in New York – eine Zeit, in der Gangster mit militärischer Präzision operierten und die Strafverfolgung oft machtlos blieb. James Burke wurde zur Legende, nicht weil er gefasst wurde, sondern gerade weil er es nicht wurde.
Bis heute fasziniert der Lufthansa-Raub als einer der kühnsten und blutigsten Coups der amerikanischen Kriminalgeschichte – und als mahnendes Beispiel dafür, wie schwer es sein kann, selbst bei spektakulären Verbrechen Gerechtigkeit herzustellen.
Zu diesem Fall fragen
Antworten nur aus der Berichterstattung von KrimiNytDiesem Fall folgen
Erhalte eine E-Mail, wenn eine neue Doku, ein Podcast oder ein Buch zu Der Lufthansa-Raub: Jimmy Burkes legendärer Coup erscheint oder ein Urteil fällt.

