Oklahoma Girl Scout Murders — Dreifachmord im Camp Scott 1977
Mayes County, Oklahoma, 1977 — offiziell ungeklärt trotz späterer DNA-Hinweise auf den Hauptverdächtigen
Veröffentlicht 2. Juni 2026

Falldetails
Quick Facts
Klassifizierung:
Der Fall
Die Oklahoma Girl Scout Murders sind einer der bekanntesten ungelösten Kriminalfälle der US-amerikanischen Nachkriegsgeschichte. In der Nacht zum 13. Juni 1977 wurden drei Pfadfinderinnen im Alter von acht bis zehn Jahren im Camp Scott im ländlichen Mayes County im US-Bundesstaat Oklahoma vergewaltigt und getötet. Trotz eines aufsehenerregenden Prozesses gegen den Hauptverdächtigen Gene Leroy Hart und späterer DNA-Analysen gilt der Fall bis heute als offiziell ungelöst.
Die Taten erschütterten nicht nur Oklahoma, sondern führten landesweit zu einer Debatte über Sicherheit in Ferienlagern, über das Verhältnis zwischen Bundesstaat und Cherokee Nation sowie über die Grenzen forensischer Beweisführung in den 1970er Jahren. Mit der Wiederaufnahme der Ermittlungen durch die Cherokee Nation nach dem Urteil McGirt v. Oklahoma ist der Fall in den vergangenen Jahren erneut in den Fokus von Medien und Strafverfolgung gerückt.
Das Verbrechen
In der Nacht vom 12. auf den 13. Juni 1977 — der ersten Nacht der Pfadfinderinnen im Camp Scott — wurden Lori Lee Farmer, Doris Denise Milner und Michele Heather Guse aus ihrem Zelt verschleppt. Ihre Leichen wurden am Morgen des 13. Juni auf einem Pfad gefunden, der vom Zeltlager in Richtung der Duschanlagen führte. Der Fundort lag etwa 150 Meter von dem Zelt entfernt, in dem die Mädchen geschlafen hatten.
Zeitlinie
Hart flieht aus dem Mayes County Jail
Gene Leroy Hart, zuvor verurteilt wegen Entführung und Vergewaltigung zweier schwangerer Frauen sowie vier Fällen von Einbruch ersten Grades, flieht aus dem Mayes County Jail.
Drei Mädchen bei Camp Scott ermordet
Am Morgen des 13. Juni 1977 werden Lori Lee Farmer, Doris Denise Milner und Michele Heather Guse zu Tode geprügelt, erwürgt und sexuell missbraucht auf einem Pfad rund 150 Yards von ihrem Zelt entfernt aufgefunden.
Hart im Prozess freigesprochen
Nachdem er festgenommen und als Hauptverdächtiger angeklagt worden war, wird Gene Leroy Hart im März 1979 von einer einstimmigen Jury für unschuldig befunden.
Gene Leroy Hart stirbt
Hart, der nach dem Freispruch aufgrund seiner früheren Verurteilungen ins Gefängnis zurückgebracht worden war, stirbt am 4. Juni 1979.
Erster DNA-Test nicht eindeutig
Ein erster DNA-Test im Jahr 1989 ist nicht eindeutig, bringt Hart aber mit einem Teil der physischen Beweise in Verbindung.
Neuere DNA-Tests deuten auf Hart hin
Fortgeschrittene DNA-Tests im Jahr 2017 deuten stärker auf Harts Beteiligung an den Morden hin.
Behörden nennen Hart erneut als Verdächtigen
Ermittler erklären öffentlich, dass die Beweise stark auf Hart hindeuten, obwohl der Fall offiziell ungeklärt bleibt.
Cherokee Nation nimmt Überprüfung nach McGirt wieder auf
Nach der Zuständigkeitsentscheidung McGirt v. Oklahoma nimmt die Strafverfolgungsbehörde der Cherokee Nation eine erneute Überprüfung des Falls auf; das FBI betrachtet ihn als inaktiv, aber nicht geschlossen.
Die Obduktionen ergaben, dass alle drei Opfer erschlagen und erwürgt sowie sexuell missbraucht worden waren. Die Brutalität der Tat und die Tatsache, dass sie sich in einem vermeintlich sicheren Pfadfinderlager ereignete, lösten landesweites Entsetzen aus.
Die Opfer
- Lori Lee Farmer, 8 Jahre
- Doris Denise Milner, 10 Jahre
- Michele Heather Guse, 9 Jahre
Die drei Mädchen stammten aus dem Großraum Tulsa und nahmen erstmals an einem mehrtägigen Camp der Girl Scouts teil. Ihre Namen werden bis heute regelmäßig in Berichten zu vermissten und ermordeten Kindern erwähnt, etwa in der Dokumentationsreihe People Magazine Investigates, die den Fall 2023 erneut aufarbeitete.
Ermittlung
Die Ermittlungen konzentrierten sich rasch auf Gene Leroy Hart, einen Cherokee, der 1973 aus dem Gefängnis von Mayes County geflohen war und dort eine Strafe wegen der Entführung und Vergewaltigung zweier schwangerer Frauen sowie wegen mehrerer schwerer Einbrüche verbüßte. Hart kannte das Gebiet rund um Camp Scott und galt als ortskundig.
Im Verlauf der Ermittlungen wurde Hart 1978 nach monatelanger Flucht in einer abgelegenen Hütte gefasst. Die Beweislage stützte sich vor allem auf Indizien wie Haare, Schuhabdrücke und Gegenstände, die in einer von Hart genutzten Höhle gefunden worden sein sollen. Forensische Methoden waren in den 1970er Jahren jedoch noch deutlich begrenzter als heute, und die DNA-Analyse stand noch nicht zur Verfügung.
Erst Jahre später kamen genetische Untersuchungen zum Einsatz: Ein DNA-Test von 1989 blieb uneindeutig, deutete Hart aber teilweise als möglichen Spurenleger an. Eine erneute Untersuchung im Jahr 2017 lieferte stärkere Hinweise auf seine Beteiligung. Behörden bestätigten 2022 öffentlich, dass die DNA-Befunde mit Hart als Täter vereinbar seien — eine offizielle Klärung des Falls blieb jedoch aus.
Prozess und Urteil
Im März 1979 stand Gene Leroy Hart vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft präsentierte umfangreiche Indizien, doch die Verteidigung verwies erfolgreich auf Lücken in der Beweisführung sowie auf das Misstrauen vieler Cherokee gegenüber den Strafverfolgungsbehörden. Die Geschworenen sprachen Hart einstimmig frei. Da kein anderer Verdächtiger angeklagt wurde, blieb der Fall strafrechtlich offen.
Hart kehrte nach dem Freispruch in den Strafvollzug zurück, wo er ältere Strafen verbüßte. Am 4. Juni 1979, nur wenige Wochen nach dem Freispruch, starb er an einem Herzinfarkt. Eine erneute Anklage in der Mordsache war damit ausgeschlossen.
Heute
Der Fall gilt formal weiterhin als ungeklärt. Wie der öffentliche Rundfunksender KOSU berichtete, hat das FBI die Akte zwar nicht geschlossen, bezeichnet sie aber als inaktiv. Nach der Entscheidung des US Supreme Court in McGirt v. Oklahoma, die große Teile Oklahomas wieder als indigenes Reservatsgebiet anerkennt, übernahm die Strafverfolgung der Cherokee Nation eine neue Überprüfung des Falls.
In den letzten Jahren ist der Fall verstärkt in den Medien präsent. Neben der TV-Dokumentation People Magazine Investigates (Investigation Discovery / Max, 2023) griffen auch ABC 20/20 sowie das Buch *The Usual Suspect* von Gary Pitchlynn das Geschehen auf. Der Autor, Anwalt mit Cherokee-Hintergrund, beleuchtet darin auch die Spannungen zwischen den Behörden und der indigenen Gemeinschaft. Eine ausführliche Aufarbeitung lieferte zudem ABC 20/20.
Für die Familien der Opfer bleibt der Fall trotz aller Hinweise und neuen DNA-Auswertungen formal offen — ein juristisch ungelöster Dreifachmord, der zugleich als einer der am intensivsten untersuchten Cold Cases der USA gilt.
Medienberichterstattung
TV series
- Keeper of the Ashes: The Oklahoma Girl Scout Murders(2026)
Zu diesem Fall fragen
Antworten nur aus der Berichterstattung von KrimiNytDiesem Fall folgen
Erhalte eine E-Mail, wenn eine neue Doku, ein Podcast oder ein Buch zu Oklahoma Girl Scout Murders — Dreifachmord im Camp Scott 1977 erscheint oder ein Urteil fällt.

