
Der Fall Ursula Herrmann: Das Mädchen in der Kiste
Gunther Scholz dokumentiert eine der erschütterndsten Entführungen der deutschen Nachkriegsgeschichte
Über das Buch
Die zehnjährige Ursula Herrmann verschwand am 15. September 1981 auf dem Heimweg von der Schule in der kleinen bayerischen Gemeinde Eching spurlos. Was folgte, war eine der grausamsten und rätselhaftesten Entführungen der deutschen Nachkriegsgeschichte — und ein Fall, der das Land fast drei Jahrzehnte lang beschäftigen sollte.
Lebendig begraben
Ursula Herrmann wurde von unbekannten Tätern verschleppt und in einer hölzernen Kiste lebendig unter der Erde eingesperrt. Das Mädchen starb unter diesen unmenschlichen Bedingungen, vermutlich durch Ersticken. Zwei Monate nach ihrem Verschwinden fanden Suchende ihren Leichnam in einem Waldstück nahe Eggstätt — eine Entdeckung, die Bayern und ganz Deutschland erschütterte.
Die Entführer hatten ein Lösegeld von einer Million D-Mark gefordert. Das Geld wurde jedoch nie abgeholt. Ob die Täter durch die intensive Polizeipräsenz abgeschreckt wurden oder andere Gründe für das Ausbleiben des Abholversuchs vorlagen, blieb lange ungeklärt.
Fast drei Jahrzehnte ohne Lösung
Trotz umfangreicher Ermittlungen blieb der Fall jahrzehntelang ungelöst. Ermittler standen vor einem dichten Geflecht aus technischen Fragen, widersprüchlichen Zeugenaussagen und fehlenden Beweisen. Die Sache galt vielen als unaufklärbar — bis 2008 ein entscheidender Durchbruch gelang.
In jenem Jahr wurden ein Ehepaar verhaftet und schließlich für die Entführung und den Tod Ursulas verurteilt. Die Beweislage stützte sich auf komplexe technische Gutachten und Zeugenaussagen — und die anschließende Gerichtsverhandlung war nicht weniger kontrovers als die Ermittlungen selbst. Entführungsfälle Deutschland Cold Cases Bayern
Gunther Scholz' Dokumentation
In seinem Buch „Der Fall Ursula Herrmann“ setzt sich Autor Gunther Scholz akribisch mit diesem Fall auseinander. Er zeichnet den gesamten Ermittlungsweg nach — von den erfolglosen frühen Ermittlungen in den 1980er Jahren bis hin zum späten Urteil im Jahr 2008. Dabei stellt Scholz sowohl die kriminaltechnischen Beweise als auch die juristischen Streitpunkte des Verfahrens detailliert dar.
Das Buch wirft grundlegende Fragen auf: Warum dauerte es so lange, bis Verdächtige identifiziert wurden? Welche Mängel im Ermittlungsverfahren trugen dazu bei? Und war das Urteil am Ende wirklich gerecht? True Crime Bücher Rezensionen
Ein Fall, der nachwirkt
Der Fall Ursula Herrmann hat die deutsche Öffentlichkeit nachhaltig geprägt und Debatten über Ermittlungsmethoden sowie die Verlässlichkeit des Rechtssystems ausgelöst. Scholz' Werk leistet einen wichtigen Beitrag dazu, diese Diskussion auf einer sachlichen, gut recherchierten Grundlage zu führen — und bewahrt die Erinnerung an ein Kind, das auf grausamste Weise aus dem Leben gerissen wurde.
