
Das Mädchen mit der Nadel: Dänemarks schlimmste Serienmörderin
Dagmar Overbye tötete zwischen 1913 und 1920 bis zu 25 Säuglinge in Kopenhagen — ein neuer Dokumentarfilm beleuchtet den erschreckenden Fall
Fakten
Dagmar Overbye ermordete zwischen 1913 und 1920 systematisch Säuglinge in Kopenhagen — und nutzte dabei die Not unverheirateter Mütter gnadenlos aus. Ein neuer Dokumentarfilm zeichnet die Geschichte der wohl grausamsten Serienmörderin Dänemarks nach und fragt, welche gesellschaftlichen Verhältnisse ihre Verbrechen erst möglich machten.
Ein kriminelles Geschäftsmodell auf Kosten der Schwächsten
Unter dem Deckmantel einer Adoptionsvermittlerin nahm Overbye Neugeborene von unverheirateten Müttern gegen Bezahlung entgegen. Die Frauen glaubten, ihre Kinder würden in neuen, liebevollen Familien aufwachsen. Stattdessen erdrosselte oder ertränkte Overbye die Säuglinge und beseitigte die Leichen auf brutale Weise. Aus dem Elend anderer hatte sie ein einträgliches Geschäft gemacht.
Die gesellschaftliche Lage begünstigte ihr Treiben: Unverheiratete Mütter galten im Dänemark der 1910er-Jahre als moralisch verwerflich und waren massivem sozialen Druck ausgesetzt. Viele waren verzweifelt genug, um ihre Neugeborenen anonym weiterzugeben — ohne Fragen zu stellen. Overbye wusste genau, wie sie diese Verzweiflung für sich ausnutzen konnte.
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Entdeckung und Verhaftung
1920 stießen Ermittler der Kopenhagener Polizei auf Beweise, die Overbye mit mehreren Todesfällen in Verbindung brachten. Die genaue Zahl ihrer Opfer ließ sich nie abschließend klären, Schätzungen gehen von bis zu 25 getöteten Kindern aus. Die Enthüllungen versetzten die dänische Öffentlichkeit in Schock.
Der anschließende Prozess wurde zu einem der meistbeachteten Kriminalfälle der dänischen Geschichte. Overbye zeigte wenig Reue. 1921 wurde sie zum Tode verurteilt — ein Urteil, das die Gesellschaft tief spaltete.
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Todesurteil, Begnadigung und Tod hinter Gittern
Das Todesurteil wurde schließlich in eine lebenslange Freiheitsstrafe umgewandelt. Dagmar Overbye verbrachte ihre verbleibenden Jahre im Gefängnis Møgelkær und starb dort 1929. Sie wurde nie zu einer öffentlichen Symbolfigur des Bösen stilisiert — ihr Fall geriet jahrzehntelang in Vergessenheit, bevor er durch Historiker und zuletzt durch die Dokumentation neu beleuchtet wurde.
Was der Dokumentarfilm zeigt
Der Film arbeitet mit historischem Archivmaterial und Experteninterviews und zeichnet ein vielschichtiges Bild des Falls. Im Mittelpunkt steht nicht allein die Täterin, sondern auch das soziale System, das ihre Verbrechen begünstigte: fehlende staatliche Unterstützung für alleinstehende Mütter, gesellschaftliche Ächtung und eine Gesetzgebung, die Frauen in aussichtslose Lagen trieb.
Der Dokumentarfilm wirft damit Fragen auf, die weit über den Einzelfall hinausgehen — und die bis heute relevant sind, wenn es darum geht, wie Gesellschaften mit den Schwächsten ihrer Mitglieder umgehen.
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