
Palle Sørensen: Dänemarks berüchtigtster Polizistenmörder
Ein DR-Dokumentarfilm aus dem Jahr 1989 porträtiert den Mann, der 1965 vier Polizisten erschoss und jahrzehntelang als Gefangener Nummer 22 in die Geschichte einging.
Am 11. August 1965 erschoss Palle Sørensen während eines Raubüberfalls in Aalborg vier Polizeibeamte und beging damit den aufsehenerregendsten Polizistenmord in der dänischen Nachkriegsgeschichte. Die Tat erschütterte das Land bis ins Mark und machte Sørensen zu einem der bekanntesten Verbrecher Dänemarks – einem Namen, der jahrzehntelang für rücksichtslose Gewalt und die Grenzen des Strafvollzugs stand.
Der Überfall in Aalborg
An jenem Augusttag des Jahres 1965 eskalierte ein Raubüberfall in Aalborg auf dramatische Weise. Als Polizeibeamte eingriffen, eröffnete Sørensen das Feuer – vier Beamte verloren dabei ihr Leben. Die Nation war schockiert. Selten zuvor hatte eine einzelne Tat die dänische Öffentlichkeit so tief getroffen. Sørensen wurde gefasst, vor Gericht gestellt und zu Dänemarks härtester Strafe verurteilt. Im Gefängnis trug er fortan die Nummer 22 – als Häftling Nummer 22 wurde er zur festen Größe im kollektiven Gedächtnis des Landes.
Polizistenmord
Leben hinter Gittern – Häftling Nummer 22
Mehr als zwei Jahrzehnte saß Sørensen in Haft, als das dänische Rundfunkunternehmen DR im Jahr 1989 einen Dokumentarfilm über ihn drehte. Der Film mit dem Titel „Hævnen er vor“ – auf Deutsch: „Die Rache ist unser“ – gewährt einen ungewöhnlich intimen Einblick in das Leben eines Mannes, der zum Symbol einer ganzen Ära geworden war. Durch Interviews und Beobachtungen im Gefängnisalltag entsteht das Porträt einer komplexen Persönlichkeit: jemand, der zugleich für grenzenlose Brutalität und für die grundlegenden Fragen des modernen Strafvollzugs steht.
Der Titel des Films verweist auf das gesellschaftliche Dilemma, das der Fall Sørensen aufwirft: Wo verläuft die Grenze zwischen Gerechtigkeit und Rache? Und wie geht eine Gesellschaft mit jemandem um, der die schlimmsten Verbrechen begangen hat?
Strafvollzug Dänemark
Entlassung 1998 und historische Bedeutung
Nach Jahrzehnten im Gefängnis wurde Palle Sørensen schließlich im Jahr 1998 entlassen. Seine Geschichte blieb jedoch ein prägendes Kapitel der dänischen Kriminalgeschichte. Der Dokumentarfilm von 1989 ist heute ein historisches Dokument – nicht nur über einen einzelnen Mann, sondern über die Art und Weise, wie Dänemark mit seinen gefährlichsten Verbrechern umgeht, und über die Frage, ob Rehabilitation nach einer solchen Tat überhaupt möglich ist.
Der Fall Sørensen berührt Themen, die im True-Crime-Bereich bis heute aktuell sind: die Psychologie des Täters, das Versagen gesellschaftlicher Strukturen, die Rolle der Medien bei der Konstruktion von Verbrechermythen und die ethischen Fragen rund um lebenslange Haft.
Dänische Kriminalgeschichte
Ein Porträt, das Fragen offen lässt
Der DR-Dokumentarfilm verzichtet auf einfache Antworten. Er zeigt Sørensen weder als Monster noch als Opfer, sondern als Menschen – mit allem, was das bedeutet. Genau darin liegt seine Stärke: Er hält das Unbehagen aufrecht, das ein Fall wie dieser erzeugen muss. Palle Sørensen, Gefangener Nummer 22, bleibt bis heute eines der dunkelsten Gesichter der dänischen Nachkriegskriminalität.

