Jeff Pelley: Vierfachmord am Vorabend des Schulabschlusses
Ein 17-Jähriger tötete in der Nacht zum 30. April 1989 seinen Vater, seine Stiefmutter und zwei Stiefschwestern in ihrem Haus im US-Bundesstaat Indiana. Verurteilt wurde er erst 17 Jahre später.
Veröffentlicht 29. April 2026

Jeff Pelley erschoss in der Nacht vom 29. auf den 30. April 1989 seinen Vater Robert Pelley, seine Stiefmutter Dawn Pelley sowie seine beiden Stiefschwestern Janel (8 Jahre) und Jolene (6 Jahre) in ihrem Zuhause in Lakeville, Indiana. Die Tat ereignete sich weniger als 24 Stunden vor der Abschlussfeier seiner Highschool. Verurteilt wurde Pelley erst im Jahr 2006 – nach einem der bekanntesten Cold-Case-Verfahren der jüngeren amerikanischen Kriminalgeschichte.
Mord im Pfarrhaus
Robert Pelley war Pfarrer der Olive Branch Church of the Brethren. Die Familie lebte im Pfarrhaus der Gemeinde in Lakeville. In der Woche vor der Tat hatte der 17-jährige Jeff sein Ausgehverbot ausgelöst, weil er zu spät nach Hause gekommen war. Als Strafe durfte er nicht an den Feierlichkeiten rund um seinen Schulabschluss teilnehmen – ein Konflikt, der in einem ohnehin angespannten Verhältnis zwischen Vater und Sohn seit der zweiten Heirat des Vaters als besonders belastend galt.
Die Entdeckung der Opfer
Am Sonntag, dem 30. April 1989, machten sich besorgte Gemeindemitglieder auf den Weg zum Pfarrhaus, nachdem die Familie nicht zum Sonntagsgottesdienst erschienen war. Dort fanden sie vier Leichen. Alle Opfer waren mit einer Schrotflinte erschossen worden. Robert Pelley wurde im Keller aufgefunden, Dawn und die beiden Mädchen in ihren Schlafzimmern im Obergeschoss.
Zeitlinie
Vierfacher Mord an der Familie Pelley in Lakeville
In der Nacht zum 30. April 1989 wurden Rev. Bob Pelley, Dawn Pelley und die beiden Stiefschwestern Janel (8) und Jolene (6) im Haus der Familie in Lakeville, Indiana, erschossen.
Jeff Pelley wegen aller vier Morde verurteilt
2006 befand eine Jury in St. Joseph County Jeff Pelley in vier Fällen des Mordes für schuldig. Er wurde zu vier aufeinanderfolgenden Strafen von je 40 Jahren verurteilt – insgesamt 160 Jahre.
Gericht weist Antrag auf post-conviction relief ab
Am 28. April 2024 wies das St. Joseph Superior Court zum vierten Mal Pelleys Antrag auf ein neues Gerichtsverfahren ab. Pelley legte umgehend Berufung gegen die Entscheidung ein.
Jeff Pelley war bei Eintreffen der Polizei nicht zu Hause. Er hatte an der Abschlussfeier am Samstagnachmittag teilgenommen und anschließend die Nacht bei Freunden in Chicago verbracht. Seine beiden älteren Schwestern aus der ersten Ehe des Vaters lebten nicht mehr im Haus und waren nicht anwesend.
Die erste Ermittlung
Die Polizei des St. Joseph County konzentrierte sich früh auf Jeff Pelley als Verdächtigen, hatte jedoch nicht genug Beweise für eine Anklage. Der Tatzeitpunkt war entscheidend: Waren die Morde am Samstagabend oder in der Nacht begangen worden, hätte Jeff die Tat vor seiner Abreise nach Chicago begehen können. War es erst am Sonntagmorgen geschehen, hatte er ein Alibi.
Die rechtsmedizinische Untersuchung konnte keinen genauen Todeszeitpunkt feststellen. Jeff beteuerte seine Unschuld und erklärte, er habe das Haus am Samstagnachmittag nach der Feier verlassen. Der Fall erkaltete mangels hinreichender Beweise.
Wiederaufnahme nach 17 Jahren
Im Jahr 2002 nahm die Staatsanwaltschaft des St. Joseph County den Fall wieder auf. Neue Ermittler prüften alle Unterlagen und befragten Zeugen erneut. Ein zentrales Detail: Jeff hatte angegeben, direkt nach der Abschlussfeier am Samstagnachmittag auf einer Party gewesen zu sein – Zeugen konnten seine Anwesenheit jedoch erst für den späten Abend bestätigen.
Ballistischen Analysen der Schussmuster im Haus sowie neue Auswertungen von Blutspuren ergaben ein präziseres Bild. Die Untersuchungen deuteten darauf hin, dass die Opfer wahrscheinlich zwischen 22 Uhr am Samstagabend und 2 Uhr am Sonntagmorgen getötet worden waren – ein Zeitraum, für den Jeff Pelley seinen Aufenthaltsort nicht belegen konnte.
Der Prozess 2006
Jeff Pelley wurde am 2. Juni 2006 in Florida festgenommen, wo er sich mit Ehefrau und drei Kindern ein neues Leben aufgebaut hatte. Der Prozess begann im Juli 2006 vor dem St. Joseph Superior Court. Die Anklage stützte sich auf Indizienbeweis statt auf direkte Beweise.
Zentrale Elemente der Anklage waren das fehlende Alibi für die kritischen Stunden am Samstagabend, das Tatmotiv im Konflikt mit dem Vater sowie Zeugenaussagen, die seinen Schilderungen widersprachen. Die mutmaßliche Tatwaffe – vermutlich eine Schrotflinte des Kalibers 20 – wurde nie gefunden.
Die Verteidigung argumentierte, die Polizei habe sich von Beginn an auf Jeff fixiert und alternative Theorien außer Acht gelassen, darunter die Möglichkeit, dass Robert Pelley als Pfarrer Feinde in der Gemeinde oder im Ort gehabt haben könnte.
Urteil und Folgen
Am 21. Juli 2006 wurde Jeff Pelley in allen vier Anklagepunkten für schuldig befunden. Das Gericht verhängte vier aufeinanderfolgende Strafen von je 40 Jahren – insgesamt 160 Jahre Haft ohne Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung vor Ablauf von 120 Jahren. Pelley war zum Zeitpunkt der Urteilsverkündung 34 Jahre alt.
Pelley hat seine Schuld stets bestritten und mehrfach ohne Erfolg Berufung eingelegt. Seine Verteidiger kritisieren das Fehlen physischer Beweise und argumentieren, das Urteil beruhe im Wesentlichen auf Zeitlinien-Spekulationen und Umständebeweis. Im April 2024 wies der St. Joseph Superior Court einen Antrag auf nachträgliche Rechtsmittel ab. Der Fall befindet sich weiterhin im Berufungsverfahren.
Jeff Pelley verbüßt seine Strafe im Indiana Department of Correction und beharrt bis heute auf seiner Unschuld.
Medienberichterstattung
TV series
- Mord am Vorabend des Schulballs: Der Fall Jeff Pelley(2026)
Podcasts
- Crime Junkie: Die Abschlussball-Morde an der Familie Pelley(2026)
- CounterClock: Die Morde an der Familie Pelley(2026)
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