Fallakte

Der Darkroom-Mörder von Berlin: Drei Männer mit Ko-Tropfen getötet

Im Frühjahr 2012 vergiftete Dirk P. drei Männer mit GBL – in einer Berliner Bar und in Privatwohnungen. Im Juni 2013 wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt.

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Veröffentlicht 7. Mai 2026

BEWEIS

Fakten

TäterDirk P. (from Berlin-Friedrichshain, trained as a teacher)
OpferAlexander M. (34 years old), Nicky M. (32 years old), Peter M. (41 years old) – killed; Miroslaw W. (26 years old) – survived
TatortBerlin, Germany – darkroom in a Berlin bar and victims' apartments
TatzeitpunktApril–May 2012
DeliktMurder by poisoning (GBL / Liquid Ecstasy, also known as coma drops)

Im Frühjahr 2012 tötete Dirk P. in Berlin drei Männer, indem er ihnen GBL verabreichte – eine chemische Verbindung, die im Volksmund als Liquid Ecstasy oder Ko-Tropfen bekannt ist und in ausreichender Dosis Bewusstlosigkeit und Herzstillstand verursachen kann. Die Presse bezeichnete den Fall wahlweise als „Koma-Killer“-Fall oder „Darkroom-Mörder“-Fall. Später erlangte er internationale Bekanntheit, unter anderem durch eine Netflix-Dokumentarserie.

Die Tat

Dirk P. lebte zum Tatzeitpunkt in Berlin-Friedrichshain und befand sich in der Ausbildung zum Lehrer (Referendariat). Zwischen April und Mai 2012 griff er mehrfach Männer in Berlin an. Sein Vorgehen war dabei stets dasselbe: Er verabreichte seinen Opfern GBL.

Die Tatorte waren teils der Darkroom einer Berliner Bar, teils die Privatwohnungen der Opfer. Diese Kombination aus halböffentlichen und privaten Tatorten erschwerte die erste Ermittlungsphase erheblich, da ein Zusammenhang zwischen den Todesfällen zunächst nicht offensichtlich war.

Zeitlinie

15. Juni 2012

Unerklärliche Koma-Fälle an der Charité

Die Intensivstation des Krankenhauses stellt fest, dass mehrere Patienten ohne Diabetes-Diagnose nach Insulin-Injektionen ins Koma fallen.

10. Juli 2012

Polizei eingeschaltet

Die Krankenhausleitung erstattet Anzeige bei der Berliner Polizei, nachdem das Muster der Vergiftungen erkennbar wird.

20. August 2012

Krankenpflegerin festgenommen

Eine 42-jährige Krankenpflegerin wird festgenommen, nachdem sie als Hauptverdächtige unter den Mitarbeitern der Station identifiziert wurde.

5. September 2012

Geständnis

Die Krankenpflegerin gesteht, mindestens drei Patienten ohne ärztliche Anordnung injiziert zu haben.

18. März 2013

Prozess abgeschlossen

Das Gericht befindet die Krankenpflegerin der Körperverletzung durch Vergiftung für schuldig und verhängt eine Freiheitsstrafe.

1. Mai 2013

Sicherheitsreformen umgesetzt

Die Charité und andere deutsche Krankenhäuser führen strengere Systeme zur Medikamentendokumentation sowie verstärkte Überwachung auf Intensivstationen ein.

Die drei getöteten Opfer waren Alexander M. (34 Jahre), Nicky M. (32 Jahre) und Peter M. (41 Jahre). Mindestens eine Person – Miroslaw W. (26 Jahre) – überlebte einen Angriff von Dirk P. und trug damit zur Aufklärung des Falls bei.

GBL Vergiftung

Serienmord Berlin

Ermittlungen

Die Berliner Polizei nahm Dirk P. am 26. Mai 2012 fest. Der Überlebende Miroslaw W. spielte eine wichtige Rolle dabei, die Taten miteinander zu verknüpfen und den Tatverdächtigen zu identifizieren.

Wie viele weitere Personen möglicherweise Angriffe überlebt haben, lässt sich auf Basis der vorliegenden Quellen nicht abschließend sagen. Der Fall gilt als Beispiel dafür, dass Seriemordverfahren ein Dunkelfeld an Fällen enthalten können, die nie vollständig aufgeklärt werden.

Die Anklage stützte sich unter anderem auf medizinische Nachweise einer GBL-Vergiftung sowie auf Zeugenaussagen, die Dirk P. mit den jeweiligen Tatorten in Verbindung brachten.

Urteil

Das Landgericht Berlin verurteilte Dirk P. im Juni 2013 wegen dreifachen Mordes zu lebenslanger Freiheitsstrafe. Darüber hinaus stellte das Gericht die besondere Schwere der Schuld fest – eine Feststellung, die in der deutschen Rechtspraxis bedeutet, dass eine vorzeitige Entlassung nach der regulären Mindestverbüßungszeit von 15 Jahren einer außerordentlichen Prüfung bedürfte. Das Urteil wurde rechtskräftig.

Vollstreckt wurde die Strafe jedoch nie: Dirk P. nahm sich 2014 – knapp ein Jahr nach der Urteilsverkündung – in einem Gefängniskrankenhaus das Leben.

Besondere Schwere der Schuld

Der Fall heute

Durch die Netflix-Dokumentarserie Crime Scene Berlin fand der Fall ein internationales Publikum. Die Serie beleuchtet den Verlauf des Falls und die Fragen, die er offenlässt – darunter die Frage nach dem Motiv von Dirk P. und danach, ob alle Opfer jemals identifiziert wurden.

Für die Berliner LGBTQ+-Community, der mehrere Opfer angehörten, hinterließ der Fall tiefe Spuren. Er warf Fragen nach Sicherheit in Räumen auf, die als Schutzräume gedacht sind – und danach, wie Todesfälle in marginalisierten Milieus in frühen Ermittlungsphasen übersehen oder falsch eingeordnet werden können.

Für die Angehörigen von Alexander M., Nicky M. und Peter M. bleibt der Fall eine unvollständige Gerechtigkeit: Ein Urteil wurde gesprochen, die Strafe aber nie verbüßt. Miroslaw W. und eventuelle weitere Überlebende tragen die Erfahrung bis heute mit sich. Der Fall gilt inzwischen als fester Referenzpunkt in Debatten über Vergiftungskriminalität, die Ermittlung von Serientaten und den Schutz gefährdeter Gruppen.

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