The Curse of Lizzie Borden: Der Fall, der Amerika nie losließ
Dokumentarfilm beleuchtet den berühmtesten ungeklärten Mordfall der USA
Lizzie Borden stand 1892 in Fall River, Massachusetts, vor Gericht, weil sie ihren Vater Andrew Borden und ihre Stiefmutter Abby Borden mit einer Axt ermordet haben soll — und trotz Freispruch ist die Frage nach ihrer Schuld bis heute nicht verstummt. Ein neuer Dokumentarfilm mit dem Titel „The Curse of Lizzie Borden“ nimmt den Fall nun erneut auf und ist auf Apple TV verfügbar.
Der Doppelmord von Fall River
Am Morgen des 4. August 1892 wurden Andrew und Abby Borden in ihrem Haus in Fall River brutal erschlagen aufgefunden. Die Tatwaffe war aller Wahrscheinlichkeit nach eine Axt. Der Verdacht fiel schnell auf Andrews jüngere Tochter Lizzie, die zum Zeitpunkt der Tat angeblich im Haus anwesend war. Die Grausamkeit der Tat und die gesellschaftliche Stellung der Familie sorgten dafür, dass der Fall schon damals landesweite Aufmerksamkeit erregte.
Die Ermittlungen der Polizei verliefen alles andere als makellos. Beweise wurden unsachgemäß gesichert, Zeugenaussagen widersprachen sich, und Lizzies eigene Angaben zum Tathergang änderten sich mehrfach. Dennoch wurde sie angeklagt und stand im Juni 1893 vor Gericht.
Freispruch und ewiger Verdacht
Das Geschworenengericht sprach Lizzie Borden nach nur einer Stunde Beratung frei — ein Urteil, das viele bis heute für falsch halten. Kritiker argumentieren, dass Lizzies gehobene soziale Stellung und ihr Geschlecht die Wahrnehmung der Geschworenen maßgeblich beeinflussten. Eine Frau aus gutem Hause, so die damalige Vorstellung, sei schlicht nicht fähig, eine solch brutale Tat zu begehen.
Der Dokumentarfilm stellt genau diese Fragen: Wie viel Einfluss hatten gesellschaftliche Normen auf den Ausgang des Prozesses? Und hätte ein anderer Angeklagter denselben Freispruch erhalten? Frauenmorde im 19. Jahrhundert
Alternative Theorien und neue Perspektiven
„The Curse of Lizzie Borden“ beschränkt sich nicht darauf, den bekannten Ablauf nachzuerzählen. Der Film präsentiert auch alternative Theorien darüber, wer die Morde begangen haben könnte — darunter Spekulationen über andere Personen aus dem Umfeld der Familie Borden. Mit Hilfe moderner kriminalistischer Methoden und historischer Kontextualisierung versucht der Dokumentarfilm, neue Erkenntnisse aus über 130 Jahre alten Beweisen zu gewinnen.
Der Fall hat die Popkultur nachhaltig geprägt. Der berühmte Kinderreim „Lizzie Borden took an axe, gave her mother forty whacks“ ist bis heute bekannt und zeigt, wie tief die Geschichte im kollektiven Gedächtnis verankert ist. True-Crime-Fälle USA
Ein Fall für die Ewigkeit
Der Mord von Fall River gehört zu jenen Kriminalfällen, die trotz — oder gerade wegen — ihres offenen Endes nicht aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwinden. Bücher, Spielfilme, Theaterstücke und Serien haben sich des Stoffes angenommen, ohne dass eine endgültige Antwort gefunden wurde.
Der Dokumentarfilm auf Apple TV leistet einen weiteren Beitrag zu dieser langen Rezeptionsgeschichte und richtet sich an alle, die sich für die Schnittstelle von Kriminalgeschichte, Geschlechterpolitik und amerikanischer Justiz interessieren. Ungeklärte Mordfälle


