Highway 20 Murders — Mordserie entlang Oregons US-20
Oregon, USA, 1974–1992: Mehrere Morde und Vermisstenfälle, teilweise aufgeklärt
Veröffentlicht 2. Juni 2026

Fakten
Der Fall
Die sogenannten Highway 20 Murders sind keine einzelne, formal benannte Strafsache, sondern ein Cluster ungeklärter und teilweise aufgeklärter Morde und Vermisstenfälle entlang des US-Highway 20 im US-Bundesstaat Oregon. Ermittler und Journalisten haben die Mehrzahl dieser Fälle dem ehemaligen Mechaniker der Oregon-Highway-Behörde John Arthur Ackroyd zugeschrieben, der berufsbedingt regelmäßig auf der Strecke unterwegs war. Der best dokumentierte aufgeklärte Mord innerhalb des Clusters ist der an Kaye Turner, für den sowohl Ackroyd als auch Roger Dale Beck in getrennten Geschworenenverfahren verurteilt wurden.
Das Verbrechen
Die Taten entlang des Highway 20 umfassen Vergewaltigung, sexuellen Missbrauch, Strangulation, Schusswaffenangriffe, Entführung und Mord. Die Tatorte konzentrieren sich auf abgelegene, bewaldete Streckenabschnitte in Zentral-Oregon, unter anderem rund um Santiam Junction und mehrere Holzfällerstraßen, die vom Highway abzweigen.
Nach den Recherchen des Oregonian nahm Ackroyd im August 1992 die Teenagerinnen Melissa Sanders und Sheila Swanson entlang der Straße mit, fuhr sie auf eine Holzfällerstraße und tief in die Wälder, wo er sie tötete. In der Nähe der sterblichen Überreste Sheilas wurde später eine gebrauchte Niete gefunden, von der Ermittler annehmen, dass sie aus der Tasche des Täters gefallen sein könnte. Zudem dokumentierten die Ermittler ein mit Perlen verziertes Sitzkissen als fahrzeugbezogenes Indiz.
Zeitlinie
Kaye Turner entlang des Highway 20 entführt und ermordet
1978 wird Kaye Turner entlang des Highway-20-Korridors in Zentral-Oregon entführt und ermordet. Der Mord ist der einzige Fall in der Serie, der zu einer vollständigen Verurteilung führt.
Rachanda Pickle verschwindet
1990 verschwindet Rachanda Pickle und wird zu einer der namentlich bekannten Personen, die später als mögliche Opfer der Highway-20-Serie untersucht werden.
Melissa Sanders und Sheila Swanson verschwinden
1992 verschwinden Melissa Sanders und Sheila Swanson. Ihre Fälle werden Teil der Highway-20-Serie, gelangen jedoch nie vor eine Grand Jury.
Ackroyd wegen Mordes an Kaye Turner verurteilt
Das Jefferson County Circuit Court in Oregon befindet John Arthur Ackroyd des aggravated murder an Kaye Turner für schuldig. Er wird zu lebenslanger Haft verurteilt.
Roger Dale Beck im Turner-Fall verurteilt
Im November 1993 befindet das Jefferson County Circuit Court Roger Dale Beck in einem separaten Verfahren des aggravated murder im Zusammenhang mit dem Mord an Kaye Turner für schuldig.
John Arthur Ackroyd stirbt in Haft
Im Dezember 2016 stirbt John Arthur Ackroyd während der Verbüßung seiner Haftstrafe für den Mord an Kaye Turner. Die Fälle Sanders und Swanson gelangen infolgedessen nie vor eine Grand Jury.
Kaye Turner verschwand 1978 während eines Laufs in einem rustikalen Ferienresort in Zentral-Oregon. Ihre Leiche wurde später aufgefunden; das Verfahren wurde im Jefferson County, Oregon, geführt. Die Staatsanwaltschaft warf Roger Dale Beck vor, sich des Mordes an Turner gerühmt zu haben — eine Aussage, die im Verfahren eine zentrale Rolle spielte.
Die Opfer
Zu den dokumentierten Opfern gehören:
- Kaye Turner, 35 Jahre alt, getötet 1978.
- Marlene Gabrielsen, 1977 vergewaltigt; ihr Fall wurde damals nicht zur Anklage gebracht und gilt als erstes bekanntes Opfer Ackroyds.
- Rachanda Pickle, Ackroyds Stieftochter; Ackroyd plädierte im Mordverfahren auf nolo contendere.
- Melissa Sanders und Sheila Swanson, zwei Teenagerinnen, deren Verschwinden und Tod 1992 in der investigativen Recherche des Oregonian Ackroyd zugeordnet wurden.
- Marion Vinetta Nagle McWhorter, 21 Jahre alt, verschwand im Herbst 1974, als sie von Kalifornien nach Alaska trampte. Ihre Identität wurde im August 2025 durch genetische Genealogie bestätigt.
Ermittlung
Die Ermittlungen erstreckten sich über mehr als fünf Jahrzehnte und wurden von der Oregon State Police federführend geleitet. Lange Zeit blieben die Fälle einzelne, scheinbar isolierte Vermisstenakten. Erst die systematische Zusammenführung der Indizien — Tatorte entlang derselben Bundesstraße, ähnliche Vorgehensweisen mit dem Mitnehmen von Anhalterinnen, das Verbringen der Opfer in abgelegene Waldgebiete — ließ das Muster eines Serientäters erkennen.
Die umfassende Recherche der Reporterin Noelle Crombie für The Oregonian unter dem Titel Ghosts of Highway 20 trug entscheidend dazu bei, die Fälle öffentlich in einen Zusammenhang zu stellen und neue Hinweise zu generieren. Forensische Verfahren wie die genetische Genealogie führten in den 2020er-Jahren zu weiteren Identifizierungen, darunter die Bestätigung der Überreste McWhorters im August 2025.
Prozess und Urteil
John Arthur Ackroyd wurde wegen des Mordes an Kaye Turner zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Er verbüßte diese Strafe bereits, als weitere ermittlungstechnische Aufarbeitung der Fälle entlang des Highway 20 fortgesetzt wurde. Im Mordverfahren um seine Stieftochter Rachanda Pickle plädierte er auf nolo contendere (kein Bestreiten der Anklage).
Roger Dale Beck wurde in einem separaten Geschworenenverfahren im Mordfall Kaye Turner ebenfalls schuldig gesprochen. Die Anklage stützte sich nach Berichten unter anderem darauf, dass Beck sich der Tat gerühmt habe.
Mehrere weitere Fälle des Clusters — darunter die Vergewaltigung Gabrielsens von 1977 — wurden zu Lebzeiten der Beteiligten nicht zur strafrechtlichen Anklage gebracht, teils wegen unzureichender Beweislage, teils wegen Verjährung nach damaligem Recht.
Heute
Der Fallkomplex Highway 20 gilt als eines der bedeutendsten Beispiele in den USA dafür, wie investigativer Journalismus, moderne DNA-Analyse und genetische Genealogie helfen können, jahrzehntelange Cold Cases neu aufzurollen. Die Identifizierung Marion McWhorters im Jahr 2025 zeigt, dass die Aufarbeitung andauert. Die Reportagereihe Ghosts of Highway 20 sowie diverse True-Crime-Podcasts haben den Fall einem internationalen Publikum bekannt gemacht und tragen dazu bei, dass weiterhin Hinweise eingehen. Mehrere mit Ackroyd in Verbindung gebrachte Vermisstenfälle entlang des Highway 20 bleiben jedoch bis heute formal ungeklärt.
Medienberichterstattung
TV series
- Lost Women of Highway 20(2026)
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