Fallakte

OneCoin: Ruja Ignatova und der Milliardenbetrug

Die „Cryptoqueen“ gründete 2014 ein betrügerisches Schneeballsystem und betrog laut FBI über 3,5 Millionen Anleger weltweit um mehr als vier Milliarden Dollar – bevor sie 2017 untertauchte.

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Veröffentlicht 8. Mai 2026

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Fakten

TäterRuja Plamenova Ignatova, known as 'Cryptoqueen'
OpferKrimiNyt has chosen not to publish individual victims' names; at least 3.5 million investors worldwide are registered victims
TatortSofia, Bulgaria (base of operations); U.S. District Court for the Southern District of New York (SDNY)
TatzeitpunktFrom 2014 onwards
DeliktWire fraud, securities fraud and money laundering conspiracy

Ruja Plamenova Ignatova gründete 2014 in Sofia, Bulgarien, das Unternehmen OneCoin und vermarktete es als Kryptowährung auf dem Niveau von Bitcoin. Der Fall gilt als einer der größten dokumentierten Finanzbetrugsfälle der jüngeren Geschichte.

Der Fall im Überblick

Nach Angaben des FBI handelte es sich bei OneCoin zu keiner Zeit um eine echte Kryptowährung, sondern um ein betrügerisches Schneeballsystem, das gutgläubigen Anlegern weltweit das Geld aus der Tasche zog. Der Schaden wird auf mehr als vier Milliarden Dollar beziffert, verteilt auf mindestens 3,5 Millionen Geschädigte.

Das Unternehmen hatte seinen Sitz in Sofia, operierte jedoch kontinentübergreifend und warb Investoren in Europa, Asien, Afrika und Amerika. OneCoin trat mit professionellen Konferenzen, aufwendigem Marketingmaterial und Versprechen auf außerordentlich hohe Renditen auf – Merkmale, die Behörden seitdem als klassische Mittel eines organisierten Anlagebetrugs beschreiben.

Zeitlinie

1. Januar 2014

OneCoin wird von Ruja Ignatova gegründet

Ruja Ignatova gründet OneCoin im Jahr 2014 und beginnt mit der Vermarktung als Kryptowährung mit Sitz in Sofia, Bulgarien.

12. Oktober 2017

Ignatova wird beim SDNY in New York beschuldigt

Am 12. Oktober 2017 erhebt das U.S. District Court for the Southern District of New York eine Beschuldigung gegen Ruja Ignatova wegen wire fraud, securities fraud und money laundering conspiracy.

25. Oktober 2017

Ignatova fliegt von Sofia nach Athen und verschwindet

Am 25. Oktober 2017 reist Ignatova von Sofia, Bulgarien, nach Athen, Griechenland. Danach verschwindet sie aus der Öffentlichkeit und wurde seitdem nicht festgenommen.

6. Februar 2018

Erweiterte Anklageschrift (superseding indictment) wird erlassen

Am 6. Februar 2018 erlässt das SDNY eine erweiterte Anklageschrift gegen Ignatova, die die ursprünglichen Vorwürfe vom Oktober 2017 präzisiert und ausführt.

Die Tat

OneCoin wurde Anlegern als digitale Währung mit vielversprechendem Zukunftspotenzial verkauft. Die Käufer glaubten, Kryptomünzen zu erwerben – doch das FBI stellt fest, dass hinter der Währung zu keiner Zeit eine echte, unabhängige Blockchain existierte, was eine grundlegende technische Voraussetzung für eine legitime Kryptowährung ist. Stattdessen funktionierte das System als Pyramidensystem, bei dem Einzahlungen neuer Investoren die Auszahlungen an frühere Teilnehmer finanzierten und die eigentlichen Vermögen nach oben in die Organisation flossen.

OneCoin rekrutierte aktiv Verkäufer und Agenten in zahlreichen Ländern, die gegen Provision neue Anleger anwarben. Diese Mehrstufenstruktur steht im Mittelpunkt der Anklageschrift. Mehr als 3,5 Millionen Menschen weltweit investierten Geld in das System; der Gesamtschaden übersteigt laut dem U.S. Department of Justice vier Milliarden Dollar.

Ermittlungen

Die amerikanischen Ermittlungen mündeten darin, dass Ignatova am 12. Oktober 2017 vom U.S. District Court for the Southern District of New York (SDNY) angeklagt wurde. Nur dreizehn Tage später, am 25. Oktober 2017, verließ sie Sofia mit einem Flug nach Athen, Griechenland – und verschwand danach aus der Öffentlichkeit. Am 6. Februar 2018 erließ das SDNY eine erweiterte Anklageschrift, ein sogenanntes Superseding Indictment, das die Vorwürfe gegen sie präzisierte und vertiefte.

Die Anklagepunkte gegen Ignatova umfassen drei Tatbestände: Überweisungsbetrug (Wire Fraud), Wertpapierbetrug (Securities Fraud) sowie Verschwörung zur Geldwäsche (Money Laundering Conspiracy). In verwandten Verfahren sind unter anderem Karl Sebastian Greenwood und Ignatovas Bruder Konstantin Ignatov mitangeklagt.

Das FBI hat Ruja Ignatova in seine Liste der zehn meistgesuchten Flüchtigen (Ten Most Wanted Fugitives) aufgenommen – eine Liste, die Personen vorbehalten ist, die die US-Bundespolizei als besonders schwerwiegende Bedrohung oder als vordringlich gesuchte Zielpersonen einstuft. Die Aufnahme ist ungewöhnlich für eine Person, die wegen Finanzkriminalität und nicht wegen Gewaltverbrechen angeklagt ist.

Urteil

Gegen Ruja Ignatova selbst liegt bislang kein Urteil vor. Sie hat sich nicht vor Gericht verantwortet, und kein Strafverfahren gegen sie persönlich wurde abgeschlossen. Solange sie auf freiem Fuß bleibt, kann ein Strafprozess gegen sie nicht durchgeführt werden.

In verwandten Verfahren haben amerikanische Behörden Ergebnisse gegen weitere Angeklagte erzielt; diese Verfahren stellen jedoch eigenständige Rechtsfälle dar, die von den Anklagen gegen Ignatova getrennt sind.

Der Fall heute

Ruja Ignatova wird weiterhin gesucht und ist nicht verhaftet. Ihr genauer Aufenthaltsort ist von den Behörden nicht festgestellt worden. Die Aufnahme in die Ten Most Wanted-Liste des FBI unterstreicht, dass der Fall aktiv verfolgt wird und Ignatova als hochpriorisierte gesuchte Person gilt.

Der Fall hat breite internationale Aufmerksamkeit erregt und gilt als eines der bekanntesten Beispiele für groß angelegten Anlagebetrug im Zusammenhang mit dem Kryptowährungsmarkt. Die BBC und zahlreiche weitere internationale Medien haben den Fall intensiv begleitet. Er hat eine erneute Debatte über die Regulierung digitaler Vermögenswerte und den Schutz von Anlegern vor betrügerisch organisierten Anlagesystemen ausgelöst.

truecrime.news verfolgt den Fall weiter und aktualisiert diese Seite, sobald es neue Entwicklungen in den Ermittlungen oder eine mögliche Verhaftung gibt.

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