
The Investigator: A British Crime Story auf Netflix
Britische True-Crime-Doku über Carole Packman, Peter Tobin und die World's End-Morde
Fakten
Die britische Dokumentarserie The Investigator: A British Crime Story begleitet den ehemaligen Kriminalermittler Mark Williams-Thomas dabei, wie er Beweise in einigen der rätselhaftesten und erschütterndsten Verbrechen Großbritanniens neu auswertet. Die auf Netflix verfügbare Serie hat weltweit über 10 Millionen Zuschauer erreicht und unterscheidet sich von vielen anderen True-Crime-Produktionen durch ihren aktiven Ansatz: Williams-Thomas drängt gezielt auf juristische Neuüberprüfungen der behandelten Fälle.
Die Serie ist in zwei Staffeln mit je eigenem Schwerpunkt aufgeteilt. Staffel 1 widmet sich dem Verschwinden und Mord an Carole Packman im Jahr 1985. Staffel 2 untersucht die Opfer zweier der gefährlichsten verurteilten Serienmörder Großbritanniens – Peter Tobin und Angus Sinclair.
Staffel 1: Der Fall Carole Packman
Am 5. Juni 1985 verschwindet die 36-jährige Carole Ann Packman aus ihrem Zuhause in Hampshire. Ihr Ehemann Russell Causley – ein ehemaliger Soldat mit einer Vorliebe für Versicherungsbetrug – behauptet gegenüber seinem Umfeld, sie habe die Familie einfach verlassen. Die Polizei schließt den Fall als Vermisstenmeldung ab, und Causley führt sein Leben anscheinend ohne jegliche Sorgen weiter.
In den folgenden Jahren begeht Causley systematischen Versicherungsbetrug, indem er Caroles mutmaßliche Abwesenheit ausnutzt. Erst Jahrzehnte später bringen neue Zeugen und die Recherchen von Williams-Thomas Licht in das, was wirklich geschehen ist. Im Jahr 2006 – 21 Jahre nach dem Verschwinden – wird Causley wegen Mordes verurteilt und zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt, obwohl Caroles Leiche nie gefunden wurde. Das Urteil ist historisch: Nur in sehr wenigen Fällen der britischen Rechtsgeschichte wurde jemand zu lebenslanger Haft verurteilt, ohne dass eine Leiche als Beweismittel vorlag.
Die Dokumentarserie trug direkt dazu bei, dass die Dorset Police 2017 den Fall wiedereröffnete, um den Verbleib der Leiche zu ermitteln und mögliche Mittäter zu untersuchen. Mehr zu Verurteilungen ohne Leiche gibt es im Bericht über Mord ohne Leiche.
Staffel 2: Peter Tobin und der Fall Vicky Hamilton
Im Januar 1991 verschwindet die 15-jährige Vicky Marie Hamilton in West Lothian, Schottland. Sechzehn Jahre lang weiß niemand, was mit ihr geschehen ist. Erst 2007 wird ihre Leiche gefunden – begraben 800 Kilometer vom Ort ihres Verschwindens entfernt, in der Nähe eines Hauses in Bournemouth, England, das dem verurteilten Serienmörder Peter Tobin gehörte.
Tobin war zu diesem Zeitpunkt bereits wegen des Mordes an Angelica Scotford im Jahr 2007 verurteilt worden. Später wurde er auch für den Mord an Dinah McNicol im Jahr 1991 schuldig gesprochen. DNA-Spuren an Hamiltons Leiche bestätigten seine Schuld. Die schottische Polizei richtete daraufhin die sogenannte Operation Anagram ein, um zu untersuchen, ob Tobin für weitere Taten verantwortlich sein könnte. Peter Tobin starb am 11. März 2019 im Alter von 72 Jahren im HM Prison Glenochil. Weitere Hintergründe zu Serienmördern auf den britischen Inseln finden sich im Artikel über britische Serienmörder.
Staffel 2: Angus Sinclair und die World's End-Morde
Am 15. Oktober 1977 verlassen die 17-jährigen Christine Eadie und Helen Scott den Pub World's End in Edinburgh. Sie werden nie wieder lebend gesehen. Beide Mädchen wurden vergewaltigt und ermordet, doch der Täter bleibt jahrzehntelang unbekannt.
Erst 2010 ermöglichen Fortschritte in der DNA-Technologie die Auswertung von genetischem Material, das an der Schnur gefunden wurde, mit der Christine Eadie getötet worden war. Das Material stimmt mit dem bereits wegen anderer Verbrechen bekannten Serienmörder Angus Henry Sinclair überein. Im Jahr 2014 – 37 Jahre nach den Morden – wird Sinclair schließlich verurteilt. Der Einsatz moderner Forensik in Cold Cases wird auch im Beitrag über DNA-Beweise in Cold Cases beleuchtet.
Die Dokumentarserie macht eindrücklich deutlich, wie entscheidend hartnäckige Nachermittlungen und technologischer Fortschritt für die Aufklärung jahrzehntealter Verbrechen sein können – und welche Rolle unabhängige Ermittler dabei spielen können.


