Kathleen Folbigg — Australiens umstrittenster Kindstotungsfall
Fire børn døde over ni år. En mor idømt 30 års fængsel. Og en frihedsrejse, der vendte australsk retshistorie på hovedet.
Veröffentlicht 18. Mai 2026

Fakten
Kathleen Folbigg
ist die australische Frau, die über zwei Jahrzehnte lang als die berüchtigtste Kindesmörderin des Landes galt – und die 2023 zum Symbol dafür wurde, was schiefgehen kann, wenn das Rechtssystem auf die blinden Flecken der Wissenschaft trifft. Der Fall ereignete sich in
New South Wales
Zeitlinie
Caleb Folbigg stirbt im Alter von 19 Tagen
Der erste von vier Säuglingstodesfällen in der Familie Folbigg ereignet sich im Februar 1989 in New South Wales. Caleb ist erst 19 Tage alt.
Laura Folbigg stirbt — Polizei leitet Ermittlungen ein
Nach Lauras Tod im März 1999 — dem vierten Todesfall in der Familie — leitet die australische Polizei formelle strafrechtliche Ermittlungen gegen Kathleen Folbigg ein.
Kathleen Folbigg vor Gericht in New South Wales
Vor dem New South Wales Supreme Court wird Folbigg wegen Mordes an Patrick, Sarah und Laura sowie Totschlags an Caleb angeklagt. Sie wird zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt.
Folbigg freigelassen und von NSW-Gouverneurin begnadigt
Nach einer staatlichen Untersuchung, die aufgrund neuer genetischer Beweise begründete Zweifel feststellt, wird Kathleen Folbigg am 5. Juni 2023 freigelassen und bedingungslos begnadigt.
Alle Verurteilungen vom Berufungsgericht aufgehoben
Das New South Wales Court of Criminal Appeal hebt am 14. Dezember 2023 formell alle Verurteilungen gegen Kathleen Folbigg auf. Sie ist rechtlich freigesprochen.
,
Australien
, und erstreckte sich über einen Zeitraum von 1989 bis 1999, in dem Folbiggs vier Kinder unter scheinbar ungeklärten Umständen starben. Was als Tragödie begann, entwickelte sich zu einem der meistdiskutierten Strafverfahren Australiens der jüngeren Geschichte.
Die vier Todesfälle
Zwischen 1989 und 1999 verloren
Kathleen Folbigg
und ihr damaliger Ehemann Craig Folbigg alle vier ihrer Kinder. Caleb starb 1989 im Alter von 19 Tagen. Patrick überlebte bis zu einem Alter von fast acht Monaten, erlitt jedoch Krampfanfälle und starb schließlich 1991. Sarah starb im Alter von zehn Monaten im Jahr 1993. Die älteste, Laura, wurde fast zwei Jahre alt, bevor sie 1999 starb. Die Todesfälle wurden zunächst als tragisch, aber natürlich betrachtet – als Fälle von plötzlichem Kindstod (SIDS) oder Krankheit.
Es war Craigs Entdeckung von Kathleens privaten Tagebüchern, die alles veränderte. In den Tagebüchern fand er Formulierungen, die er als Geständnisse deutete – Fragmente über Wut, über mangelnde Beherrschung und ein Gefühl von Schuld. Er wandte sich an die Polizei, und die Ermittlungen begannen.
Der Prozess im Jahr 2003
Im Jahr 2003 wurde
Kathleen Folbigg
in Newcastle,
New South Wales
, vor Gericht gestellt. Die Staatsanwaltschaft stützte ihre Anklage im Wesentlichen auf zwei Säulen: den Inhalt der Tagebücher und das statistische Argument, dass vier plötzliche Kindstodesfälle in derselben Familie per Definition verdächtig sein müssten. Die damals weithin akzeptierte – später jedoch scharf kritisierte – Logik, wonach die Wahrscheinlichkeit von vier natürlichen SIDS-Todesfällen in einer Familie astronomisch gering sei, spielte eine gewichtige Rolle.
Folbigg wurde des Mordes an Laura, der fahrlässigen Tötung von Caleb sowie des Totschlags an Patrick und Sarah für schuldig befunden. Sie wurde zu 40 Jahren Haft verurteilt, die auf 30 Jahre reduziert wurden, mit der Möglichkeit einer Bewährungsentlassung nach 25 Jahren.
Die Tagebücher als Beweismittel
Die Tagebücher bildeten den Mittelpunkt der Anklage. Passagen wie „sometimes I feel like she's a reflection of me and that scares me" sowie Verweise darauf, die Geduld mit den Kindern verloren zu haben, wurden als verschlüsselte Geständnisse gelesen. Das Argument der Verteidigung, die Tagebücher seien der Versuch einer emotional belasteten Frau, Trauer und Selbstvorwürfe zu verarbeiten, drang bei der Jury nicht durch.
Mehrere Psychologen und Sprachwissenschaftler haben die Tagebücher nachträglich analysiert und sind zu dem Schluss gekommen, dass sie weit eher einen Menschen widerspiegeln, der mit Überlebensschuld und Depression kämpft, als eine Täterin, die ein Geständnis ablegt. Die Debatte über die eigentliche Bedeutung der Tagebücher hält bis heute an.
Die Wissenschaft greift ein
In den Jahren nach der Verurteilung begann eine wachsende Gruppe von Forschern und Ärzten, die Grundlage des Schuldspruchs in Frage zu stellen. Eine erste Untersuchung im Jahr 2019 unter Richter Reginald Blanch kam zu dem Schluss, dass kein Grund für eine Aufhebung des Urteils vorliege – doch das stoppte die wissenschaftlichen Untersuchungen nicht.
In den Jahren ab 2020 identifizierten Genetiker eine Mutation im CALM2-Gen bei
Kathleen Folbigg
selbst sowie bei zwei ihrer Töchter, Sarah und Laura. Diese Mutation ist mit potenziell tödlichen Herzrhythmusstörungen verbunden und kann zu plötzlichem Herzstillstand führen – genau jener Art von Todesfall, der zuvor äußerer Einwirkung zugeschrieben worden war. Bei dem Sohn Patrick fanden sich zudem Hinweise auf Epilepsie, die seine Krampfanfälle und seinen Tod erklären könnten.
Eine Gruppe von mehr als 90 namhaften internationalen Wissenschaftlern – darunter Nobelpreisträger – unterzeichnete einen offenen Brief, in dem sie die australischen Behörden aufforderten, den Fall wiederaufzunehmen und die neuen Erkenntnisse ernst zu nehmen.
Die Begnadigung im Jahr 2023
Im Juni 2023 empfahl ein neuer Untersuchungsbericht unter der Leitung von Richter Tom Bathurst die Begnadigung von
Kathleen Folbigg
. Am 5. Juni 2023 teilte die Gouverneurin von
New South Wales
, Margaret Beazley, mit, dass Folbigg begnadigt worden sei und nach fast 20 Jahren Haft sofort freigelassen werde.
Die Begnadigung war historisch. Sie hob die Verurteilung nicht formell auf, erkannte aber faktisch an, dass keine hinreichende Sicherheit mehr an Folbiggs Schuld bestand. Im Oktober 2023 annullierte das Court of Criminal Appeal sämtliche Schuldsprüche offiziell und erklärte
Kathleen Folbigg
für unschuldig.
Ein Fall mit weitreichenden Konsequenzen
Der Fall gegen
Kathleen Folbigg
hat eine breitere Debatte über den Einsatz statistischer Wahrscheinlichkeitsargumente in Strafverfahren ausgelöst – den sogenannten „Prosecutor's Fallacy" – sowie darüber, wie das Rechtssystem mit medizinischen Erklärungen im Vergleich zu kriminellen Motiven bei Säuglingstodesfällen umgeht. Australische Rechtsmediziner und Rechtswissenschaftler haben den Fall als Katalysator für Reformen in der forensischen Wissenschaft und der Rechtspraxis bezeichnet.
Craig Folbigg, der seine Ex-Frau bei der Polizei angezeigt hatte, hat öffentlich an seiner Überzeugung von ihrer Schuld festgehalten – auch nach der Begnadigung.
Kathleen Folbigg
selbst hat sich seit ihrer Freilassung weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, hat jedoch über ihren Anwalt mitteilen lassen, dass sie Frieden und Anonymität anstrebt.
Der Fall ist heute Bestandteil australischer juristischer Ausbildungsprogramme und gilt als Paradebeispiel dafür, was passieren kann, wenn scheinbar überzeugende Indizienbeweisel auf unzureichende wissenschaftliche Erkenntnisse treffen – und wenn trauernde Worte in einem Tagebuch mit katastrophalen Folgen fehlgedeutet werden können.
Medienberichterstattung
Podcasts
- Casefile beleuchtet den Folbigg-Fall im Mai-2026-Bonusformat(2026)
- Casefile widmet den Folbigg-Kindern eine neue zweiteilige Folge(2026)
Zu diesem Fall fragen
Antworten nur aus der Berichterstattung von KrimiNytDiesem Fall folgen
Erhalte eine E-Mail, wenn eine neue Doku, ein Podcast oder ein Buch zu Kathleen Folbigg — Australiens umstrittenster Kindstotungsfall erscheint oder ein Urteil fällt.