Last Call Killer — Mordserie an schwulen Männern in New York
New York, New Jersey und Pennsylvania, 1991–1993, aufgeklärt durch Fingerabdrücke
Veröffentlicht 2. Juni 2026

Fakten
Der Fall
Der Last Call Killer ist eine US-amerikanische Mordserie der frühen 1990er Jahre, bei der der Krankenpfleger Richard Westall Rogers Jr. schwule und bisexuelle Männer aus Manhattaner Pianobars als Opfer auswählte, sie tötete, zerstückelte und ihre Überreste in Müllsäcken an Highways im US-Bundesstaat New Jersey und in benachbarten Staaten ablegte. Vier Männer werden dem Tatmuster zugeordnet; Rogers wurde 2006 wegen zweier dieser Morde verurteilt. Der Spitzname „Last Call Killer“) verweist auf die letzten Drinks, die die Opfer in den Bars von Manhattan zu sich nahmen, bevor sie verschwanden.
Das Verbrechen
Die dem Last Call Killer zugeschriebenen Taten ereigneten sich zwischen 1991 und 1993. Rogers suchte gezielt Pianobars im Stadtteil Manhattan auf, die in den frühen 1990er Jahren beliebte Treffpunkte der schwulen Community waren. Dort sprach er Männer in fortgeschrittener Stunde an, brachte sie an einen bis heute unbekannten Ort und tötete sie. Anschließend zerlegte er die Leichen — laut Recherchen und Podcast-Berichten in acht Teile, die er in acht Müllsäcken verpackte. Diese Säcke deponierte er in Mülltonnen oder am Straßenrand entlang von Highways in New Jersey und Pennsylvania.
Der Tatablauf war wiederholbar und methodisch: Lockmittel war die intime Atmosphäre der Pianobars, Tatwerkzeug war chirurgisches Wissen, das Rogers als ausgebildeter Krankenpfleger besaß. Diese Kombination machte ihn für die Ermittler über Jahre nicht greifbar, da klassische Beziehungstaten oder Raubmotive ausgeschlossen werden konnten.
Zeitlinie
Erste Verbrechen werden begangen
Den vorliegenden Quellen zufolge beginnt Rogers' Verbrechensserie im Jahr 1991. Die Opfer werden zuletzt beim Verlassen von Gay-Bars und Piano-Bars in Manhattan gesehen.
Verbrechensserie endet
Die bekannten Verbrechen in dem Fall erstrecken sich über den Zeitraum 1991–1993. Körperteile der Opfer werden verstreut in New Jersey, Pennsylvania und dem Staat New York gefunden.
Rogers in New Jersey verurteilt
Im November 2005 wird Richard W. Rogers Jr. wegen zweier angeklagter Morde ersten Grades an Thomas Richard Mulcahy und Anthony Edward Marrero sowie zweier Fälle von Strafvereitelung für schuldig befunden.
Rogers erhält zwei lebenslange Haftstrafen und 10 Jahre Gefängnis
Im Jahr 2006 verkündet das Gericht in New Jersey das Urteil: zwei aufeinanderfolgende lebenslange Haftstrafen sowie 10 Jahre Gefängnis. Rogers verbüßt die Strafe weiterhin.
Die Opfer
Die vier Männer, die mit dem Last Call Killer in Verbindung gebracht werden, sind Peter Stickney Anderson, Thomas Richard Mulcahy, Anthony Marrero und Michael Sakara. Anderson wurde am 5. Mai 1991 in Lancaster County, Pennsylvania, entlang der Pennsylvania Turnpike entdeckt. Der 44-jährige Mulcahy, ein Geschäftsmann und Familienvater aus Massachusetts, war auf Geschäftsreise in New York, als er am 10. Juli 1992 in Woodland Township, New Jersey, entlang der Route 72 tot aufgefunden wurde. Marrero, ebenfalls 44 Jahre alt, sowie Michael Sakara folgten als weitere mutmaßliche Opfer.
Die meisten Opfer hatten Verbindungen zur queeren Subkultur Manhattans, einige führten ein Doppelleben mit Familie und Beruf. Das Buch „Last Call“ von Elon Green zeichnet die Biografien der Opfer nach und ordnet die Taten in den gesellschaftlichen Kontext des homofeindlichen Klimas der frühen 1990er Jahre ein, in dem queere Opfer von Polizei und Öffentlichkeit oft weniger Aufmerksamkeit erhielten.
Ermittlung
Der Fall blieb jahrelang ungeklärt. Eine länderübergreifende Task Force aus Ermittlern aus New York, New Jersey und Pennsylvania bündelte die Akten und behandelte die Tötungen als Serie. Den entscheidenden Durchbruch brachten Fingerabdrücke auf den grünen Müllsäcken, in denen die Leichenteile transportiert worden waren. Mit fortschreitender Datenbanktechnik konnten diese Spuren erneut abgeglichen werden. Am 14. Mai 2001 verkündeten die Ermittler einen Treffer: Die Abdrücke stammten von Richard Rogers, einem in New Jersey lebenden Krankenpfleger.
Rogers war zudem kein Unbekannter. Bereits Jahre zuvor war er in Maine im Zusammenhang mit einem separaten Tötungsdelikt angeklagt, jedoch freigesprochen worden. Dieser frühere Fall geriet nach dem Fingerabdruck-Treffer erneut in den Fokus der Öffentlichkeit. Rogers wurde festgenommen und in New Jersey wegen zweifachen Mordes ersten Grades angeklagt.
Prozess und Urteil
Im Jahr 2006 wurde Richard Westall Rogers Jr. wegen der Morde an Thomas Mulcahy und Anthony Marrero schuldig gesprochen. Für die Tötung von Peter Stickney Anderson und Michael Sakara kam es nicht zu einer Verurteilung, obwohl Ermittler und Medien Rogers auch in diesen Fällen als Hauptverdächtigen ansehen. Rogers wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.
Das Verfahren stützte sich maßgeblich auf die Sachbeweise an den Müllsäcken sowie auf das wiederkehrende Tatmuster, das die einzelnen Taten zu einer Serie verband. Eine umfassende juristische Aufarbeitung aller vier mutmaßlichen Opfer fand jedoch nicht statt.
Heute
Der Fall des Last Call Killers erlebte in den 2020er Jahren neue Aufmerksamkeit durch das Buch von Elon Green und die darauf basierende HBO-Dokumentationsreihe „Last Call: When a Serial Killer Stalked Queer New York“. Zahlreiche Podcasts und Videoreportagen befassen sich mit den Ermittlungen, dem Tatmuster und der gesellschaftlichen Dimension der Verbrechen. Der Fall gilt als Beispiel dafür, wie Vorurteile und unzureichende behördliche Aufmerksamkeit gegenüber queeren Opfern Serientäter über Jahre unentdeckt bleiben lassen können — und wie moderne forensische Verfahren auch nach langer Zeit zur Aufklärung führen können.
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