Der Fall Mark Hofmann — Fälscher und Bombenleger aus Salt Lake City
Salt Lake City, Utah, 1985 — Doppelmord durch Bombenanschläge, Fall aufgeklärt
Veröffentlicht 2. Juni 2026

Falldetails
Quick Facts
Klassifizierung:
Der Fall
Der Fall Mark Hofmann gilt als einer der außergewöhnlichsten Kriminalfälle der US-amerikanischen Geschichte: Ein hochbegabter Dokumentenfälscher, spezialisiert auf Schriftstücke aus der Frühzeit der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen), versuchte, das drohende Auffliegen seines jahrelangen Betrugs durch Mordanschläge zu vertuschen. Am 15. und 16. Oktober 1985 detonierten in Salt Lake City drei selbstgebaute Bomben. Zwei Menschen starben, Mark William Hofmann selbst wurde durch die dritte Bombe schwer verletzt — was die Aufklärung des Falls erst möglich machte.
Das Verbrechen
Am Morgen des 15. Oktober 1985 explodierte im Judge Building in Salt Lake City eine in einer Schachtel versteckte Rohrbombe. Sie tötete den 31-jährigen Geschäftsmann und Dokumentensammler Steven F. Christensen. Nur Stunden später detonierte eine zweite, ähnlich konstruierte Bombe im Vorort Holladay und tötete Kathy Sheets, die Ehefrau von Christensens Geschäftspartner J. Gary Sheets. Die Ermittler vermuteten zunächst, die Anschläge stünden im Zusammenhang mit dem finanziellen Zusammenbruch einer Investmentfirma, an der beide Männer beteiligt waren.
Doch am nächsten Tag, dem 16. Oktober 1985, explodierte eine dritte Bombe in einem Auto in der Innenstadt nahe Temple Square. Der Fahrer war Mark Hofmann selbst. Er überlebte schwer verletzt. Wie eine ausführliche Chronologie der BYU Studies dokumentiert, lenkte die dritte Detonation die Aufmerksamkeit der Ermittler rasch auf Hofmann und seine Geschäfte mit historischen Dokumenten.
Zeitlinie
Mark Hofmann geboren
Mark William Hofmann wird in Salt Lake City, Utah, geboren, wo er später seine Karriere als Händler seltener Dokumente und Fälscher aufbauen sollte.
Steven F. Christensen getötet
Eine selbstgebaute Rohrbombe, die in Christensens Büro in der Innenstadt von Salt Lake City zurückgelassen wurde, tötet den Dokumentensammler und Geschäftsmann.
Kathy Sheets getötet
Später am selben Tag tötet eine weitere Bombe, die für Sheets' Ehemann bestimmt war, Kathy Sheets im Haus der Familie im Raum Salt Lake City.
Dritte Bombe explodiert in Hofmanns Auto
Eine dritte Vorrichtung detoniert in Hofmanns eigenem Auto in der Innenstadt von Salt Lake City, verletzt ihn schwer und lenkt die Aufmerksamkeit der Ermittler auf ihn.
Hofmann verhaftet
Nach etwa drei Monaten Ermittlungen zu den Bombenanschlägen und seinem Dokumentenhandel wird Hofmann verhaftet und in 27 Anklagepunkten beschuldigt.
Schuldbekenntnis und Urteil
Hofmann bekennt sich in Utah in zwei Fällen des Mordes zweiten Grades, des Diebstahls durch Täuschung und des Betrugs schuldig und wird zu fünf Jahren bis lebenslänglich im Utah State Penitentiary verurteilt.
Die Opfer
Steven F. Christensen war ein einflussreicher Sammler mormonischer Schriftstücke und hatte maßgeblich an der Beschaffung der berüchtigten „Salamander Letter“ mitgewirkt — eines angeblich historischen Dokuments, das die Gründungsgeschichte der Mormonen in Frage stellte. Tatsächlich stammte das Schreiben aus Hofmanns Werkstatt. Christensen war kurz davor, weitere Geschäfte mit Hofmann offenzulegen.
Kathy Sheets hatte mit Hofmanns Fälschungen unmittelbar nichts zu tun. Ihre Ermordung diente nach späteren Erkenntnissen der Verschleierung: Die Ermittler sollten glauben, beide Anschläge richteten sich gegen das gescheiterte Investmenthaus CFS, in das Christensen und J. Gary Sheets verwickelt waren. Auch Hofmann selbst wurde Opfer seiner eigenen Tat — er hatte die dritte Bombe vermutlich für ein weiteres Opfer vorbereitet, als sie vorzeitig explodierte.
Ermittlung
Die Polizei in Salt Lake City zog binnen weniger Tage Sprengstoffexperten, Brandermittler und Dokumentenforensiker hinzu. Im Wrack von Hofmanns Auto fanden sich Bauteile, die mit denen der ersten beiden Bomben übereinstimmten. Parallel dazu untersuchten Spezialisten die von Hofmann gehandelten Schriftstücke. Sie entdeckten, dass die Tinte mehrerer „historischer“ Dokumente künstlich gealtert worden war — ein technisch hochentwickelter, aber nachweisbarer Fälschungsprozess, wie auch die Utah History Encyclopedia zusammenfasst.
Nach rund drei Monaten Ermittlungsarbeit wurde Hofmann im Januar 1986 verhaftet. Insgesamt wurde er auf 27 Anklagepunkten beschuldigt: Mord, Sprengstoffdelikte, Betrug und Täuschung im Zusammenhang mit dem Verkauf gefälschter Dokumente. Die Liste der Fälschungen umfasste neben dem Salamander Letter auch die sogenannte „McLellin Collection“, eine angebliche Sammlung früher mormonischer Dokumente, die Hofmann nie besessen hatte. Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage hatte mehrere dieser Stücke gekauft oder vermittelt, was den Fall zusätzlich brisant machte.
Prozess und Urteil
Um einen langwierigen Geschworenenprozess zu vermeiden, schloss Hofmann im Januar 1987 eine Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft. Er bekannte sich zweier Anklagepunkte des Mordes zweiten Grades schuldig, dazu eines Falls von Betrug („theft by deception“) wegen des Salamander Letter sowie eines weiteren Betrugsfalls wegen der McLellin Collection. Im Gegenzug machte er detaillierte Angaben zu seinen Fälschungen und zum Tatablauf.
Das zuständige Gericht in Utah verhängte eine Strafe von fünf Jahren bis lebenslang im Utah State Penitentiary. Der Richter empfahl der Bewährungskommission ausdrücklich, Hofmann niemals freizulassen. Wie Salt Lake Magazine berichtet, hat die Utah Board of Pardons diese Empfehlung bislang konsequent befolgt; Hofmann sitzt seit über drei Jahrzehnten in Haft.
Heute
Der Fall hat eine bemerkenswerte Nachwirkung — sowohl in der Geschichte der Mormonen als auch in der Forensik. Hofmanns Fälschungen waren so perfekt, dass Dokumentenexperten ihre Methoden grundlegend überarbeiteten. Mehrere Bücher, akademische Studien und die Netflix-Dokumentation „Murder Among the Mormons“ aus dem Jahr 2021 haben den Fall einem internationalen Publikum bekannt gemacht.
Mark Hofmann selbst verlor durch die Explosion in seinem Auto teilweise die Funktion einer Hand und konnte nach eigenen Aussagen nie wieder fälschen. Er bleibt eine zentrale Figur in der Geschichte amerikanischer Kunst- und Dokumentenfälschung — und ein Beispiel dafür, wie weit ein Täter zu gehen bereit ist, um seine Lügen zu schützen.
Medienberichterstattung
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