Fallakte

Nick Leeson: Wie ein Händler die Barings Bank ruinierte

Der britische Trader führte 1995 durch unerlaubte Geschäfte die älteste Bank Großbritanniens in den Konkurs

🌍 International

Veröffentlicht 6. Juni 2025

A figure resembling Nick Leeson stands in front of a financial market screen displaying falling numbers, a hidden sense of turmoil behind his composed demeanor, symbolizing the Barings Bank collapse.
BEWEIS

Fakten

TäterNicholas William 'Nick' Leeson
OpferBarings Bank (Barings Plc.)
TatortSingapore (Barings Futures Singapore / SIMEX)
Tatzeitpunktup until February 1995
DeliktUnauthorised speculative trading, falsification of accounts, fraud against auditors and the Singapore Stock Exchange

Der Fall der ehrwürdigen Barings Bank

Am 23. Februar 1995 floh der britische Derivatehändler Nicholas William Leeson aus Singapur. Im Gepäck trug er das Geheimnis eines der größten Finanzbetrug Skandale der Finanzgeschichte: eine unerlaubte Handelsposition, die der 233 Jahre alten Barings Bank das Leben kosten sollte.

Leeson arbeitete als Derivatehändler und Generaldirektor der Singapurer Niederlassung der Barings Bank. In dieser Position hatte er Zugang zum Handel an der Börse SIMEX – doch seine Arbeitgeber verstanden das volle Ausmaß seiner Aktivitäten nicht.

Das geheime Konto 88888

Um seine Verluste aus unerlaubten Geschäften zu verbergen, eröffnete Leeson das Konto Nummer 88888. Ursprünglich war dieses Konto als Fehlerkonto eingerichtet worden, doch Leeson machte es zu seinem geheimen Versteck für Verluste. Ende Dezember 1994 wies dieses eine Konto bereits Verluste von rund 373,9 Millionen Singapur-Dollar auf.

Zeitlinie

23. Februar 1995

Leeson flieht aus Singapur

Am 23. Februar 1995 verlässt Nick Leeson Singapur, während die Verluste auf Konto 88888 ans Licht kommen.

26. Februar 1995

Barings Bank wird für insolvent erklärt

Am 26. Februar 1995 wird die Barings Bank mit einem Verlust von rund 827 Millionen £ für insolvent erklärt – das gesamte Kapital der Bank ist ausgelöscht.

1. November 1995

Leeson wird an Singapur ausgeliefert

Im November 1995 wird Leeson von Deutschland an Singapur ausgeliefert, nachdem deutsche Behörden ihn in Frankfurt festgenommen hatten.

1. Dezember 1995

Leeson bekennt sich in Singapur schuldig

Leeson bekennt sich vor District Judge Richard Magnus in zwei Anklagepunkten schuldig – wegen Betrugs gegenüber Wirtschaftsprüfern und Betrugs an der Börse von Singapur.

3. Juli 1999

Leeson wird aus singapurischem Gefängnis entlassen

Am 3. Juli 1999 wird Nick Leeson entlassen, nachdem er einen Teil seiner sechseinhalbjährigen Haftstrafe in Singapur verbüßt hat.

Die Gesamtverluste aus Leesons unerlaubten Derivatehandel beliefen sich auf etwa 830 Millionen Pfund – eine Summe so gewaltig, dass sie die Barings Bank vollständig zum Einsturz brachte. Die Bank konnte nicht gerettet werden.

Flucht und Verhaftung

Als der Betrug aufgedeckt wurde, hatte Leeson Singapur bereits verlassen. Er floh zunächst nach Malaysia, von dort nach Thailand. Doch er wurde in Deutschland gefasst und nach Singapur ausgeliefert.

Am 20. November 1995 wurde Leeson verhaftet. Nur 15 Tage später – am 5. Dezember 1995 – wurde er wegen Betrugs und Urkundenfälschung schuldig gesprochen. Das Gericht verurteilte ihn zu sechseinhalb Jahren Gefängnis.

Haft und Entlassung

Leeson verbüßte seine Strafe in einem singapurischen Gefängnis. Am 3. Juli 1999 wurde er nach Verbüßung von etwa zwei Dritteln seiner Strafe entlassen.

Vermächtnis eines Skandals

Der Fall wurde zu einem der bekanntesten Beispiele dafür, wie unerlaubte Geschäfte eines einzelnen Traders eine ganze Institution zu Fall bringen können. Die Barings Bank, die einst sogar die britische Krone finanziert hatte, existierte nach 233 Jahren nicht mehr.

Die Geschichte von Nick Leeson zeigt die Gefahren unzureichender Kontrollen im Finanzsektor und wurde später sogar verfilmt. Sie bleibt bis heute eine Warnung vor den Risiken unkontrollierter Spekulation und mangelnder Aufsicht im Bankwesen.

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