Fall Brian Steven Smith — Doppelmord in Alaska
Anchorage, Alaska, 2019 — verurteilt zu 226 Jahren Haft
Veröffentlicht 1. Juni 2026

Falldetails
Quick Facts
Klassifizierung:
Der Fall
Der Fall Brian Steven Smith ist ein aufsehenerregender Doppelmordfall aus dem US-Bundesstaat Alaska. Der in Südafrika geborene Smith, zur Tatzeit Mitte 40 und in Anchorage wohnhaft, tötete im Jahr 2019 zwei Frauen indigener Herkunft: die 30-jährige Kathleen Jo Henry und die 52-jährige Veronica Abouchuk. Besonders erschütternd war, dass Smith einen der Morde mit seinem Mobiltelefon filmte. Die so entstandenen Aufnahmen wurden später zum zentralen Beweismittel gegen ihn. Im Juli 2024 wurde Smith vom Bezirksgericht in Anchorage zu 226 Jahren Haft verurteilt.
Das Verbrechen
Der dokumentierte Mord an Kathleen Jo Henry ereignete sich am 4. September 2019 in Zimmer 323 der TownePlace Suites, einem Hotel in Anchorage. Smith hatte das Zimmer angemietet und Henry dorthin gelockt. Über mehrere Stunden hinweg misshandelte er die Frau und filmte das Geschehen mit seinem Mobiltelefon. Die Aufnahmen zeigten sowohl Bild- als auch Tonmaterial, darunter zynische Kommentare des Täters. Die Tat in Zimmer 323 gilt als eines der am ausführlichsten dokumentierten Tötungsdelikte in der Geschichte Alaskas.
Das zweite Opfer, Veronica Abouchuk, hatte Smith bereits einige Zeit zuvor getötet. Ihr Leichnam war außerhalb Anchorages abgelegt worden und wurde erst nach Smiths Festnahme im Kontext seiner Aussagen eindeutig zugeordnet. Beide Frauen gehörten der Gruppe indigener Alaskanerinnen an, die in der öffentlichen Debatte unter dem Stichwort „Missing and Murdered Indigenous Persons“ (MMIP) eine besondere Rolle spielt.
Zeitlinie
Der Mord an Kathleen Jo Henry
Henry wurde im TownePlace Suites Hotel, Zimmer 323, in Anchorage getötet. Smith nahm die Tat mit seinem Telefon auf.
Speicherkarte entdeckt
Eine gestohlene SD-Karte mit Video- und Standbildern der Tat wurde bei der Polizei abgegeben und wurde zum zentralen Beweismittel.
Festnahme von Brian Steven Smith
Smith wurde von den Behörden in Anchorage festgenommen, nachdem Ermittler ihn anhand digitaler Beweise und seines charakteristischen südafrikanischen Akzents identifiziert hatten.
Zweites Opfer identifiziert
Ermittler brachten Smith mit einem weiteren Mord aus dem Jahr 2019 in Verbindung, dem Mord an Veronica Abouchuk, wodurch sich der Fall ausweitete.
Schuldig in 14 Anklagepunkten
Eine Jury in Anchorage befand Smith in 14 Anklagepunkten für schuldig, darunter Mord ersten und zweiten Grades, sexuelle Übergriffe und Manipulation von Beweismaterial.
Zu 226 Jahren verurteilt
Smith wurde in Anchorage zu 226 Jahren Haft verurteilt, faktisch einer lebenslangen Freiheitsstrafe.
HBO-Max-Dokuserie ausgestrahlt
Der Fall wird in 'Lost Women of Alaska' behandelt, was zu erneuter Prüfung des Umgangs der Polizei von Anchorage mit vermissten und ermordeten indigenen Frauen führt.
Die Opfer
Kathleen Jo Henry stammte aus der Gemeinde Eek im Westen Alaskas und gehörte der Yup’ik-Bevölkerung an. Zur Tatzeit war sie 30 Jahre alt und lebte in instabilen Verhältnissen in Anchorage. Veronica Abouchuk, 52 Jahre alt, war ebenfalls indigener Herkunft und stammte aus der Region um Stebbins. Beide Frauen waren zeitweise obdachlos und gehörten damit zu einer besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppe, deren Verschwinden in Alaska häufig nur unzureichend ermittelt wird – ein Strukturproblem, das die Berichterstattung über den Fall immer wieder thematisiert hat.
Ermittlung
Der entscheidende Durchbruch in den Ermittlungen kam durch einen ungewöhnlichen Zufall: Eine Frau übergab der Polizei eine SD-Speicherkarte, die sie zuvor aus einem fremden Fahrzeug entwendet hatte. Auf der Karte fanden sich Videos und Fotografien, die einen Mord an einer Frau in einem Hotelzimmer dokumentierten. Die Ermittler erkannten Details wie Teppichmuster und Einrichtungsgegenstände wieder und konnten den Tatort den TownePlace Suites zuordnen. Eine zentrale Rolle spielte zudem die markante Stimme des Täters: Sein deutlich erkennbarer südafrikanischer Akzent lieferte einen wichtigen Hinweis auf die Identität.
Smith wurde am 8. Oktober 2019 in Anchorage festgenommen. Bei der polizeilichen Befragung räumte er weitere Taten ein und führte die Ermittler auf die Spur des zweiten Opfers, Veronica Abouchuk. Die Festnahme und das digitale Beweismaterial bildeten das Fundament der späteren Anklage.
Prozess und Urteil
Der Strafprozess gegen Brian Steven Smith begann Anfang 2024 in Anchorage. Die Staatsanwaltschaft stützte sich auf eine Kombination aus digitalen Beweismitteln, forensischen Befunden und Smiths eigenen Aussagen. Im Februar 2024 sprach die Jury den Angeklagten in allen 14 Anklagepunkten schuldig, darunter Mord ersten Grades, Mord zweiten Grades, sexueller Missbrauch und Manipulation von Beweismitteln. Am 12. Juli 2024 verhängte das Gericht eine Gesamtstrafe von 226 Jahren Freiheitsentzug – eine Strafe, die einer faktischen lebenslangen Inhaftierung gleichkommt. Smiths Verteidigung kündigte später Rechtsmittel gegen das Urteil an.
Heute
Der Fall hat weit über Alaska hinaus Aufmerksamkeit erregt und gilt als Schlüsselfall in der Debatte um Gewalt gegen indigene Frauen in Nordamerika. 2026 veröffentlichte HBO Max die Dokumentarserie „Lost Women of Alaska“, die den Fall Smith zentral aufgreift und auch Kritik an der Polizeiarbeit in Anchorage übt. Die Behörden mussten sich öffentlich gegen Vorwürfe verteidigen, Hinweise auf vermisste indigene Frauen über Jahre hinweg unzureichend bearbeitet zu haben. Parallel dazu wurde der Fall in zahlreichen True-Crime-Podcasts und Videoformaten aufgearbeitet, in denen Beobachter auch die Frage diskutieren, ob Smith weitere, bislang nicht aufgeklärte Taten begangen haben könnte. Die Frage nach möglichen weiteren Opfern bleibt Gegenstand journalistischer und kriminalistischer Recherche.
Medienberichterstattung
TV series
- Lost Women of Alaska(2026)
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