Fallakte

Pam Hupp: Mord, Lebensversicherungen und ein Justizirrtum

Die Frau aus Missouri, die einen Unschuldigen ins Gefängnis brachte

🇺🇸 Amerikanisch

Veröffentlicht 29. April 2026

BEWEIS

Fakten

TäterPamela Marie Hupp (Pam Hupp)
OpferLouis Gumpenberger
TatortO'Fallon, St. Charles County, Missouri, USA
TatzeitpunktAugust 16, 2016
DeliktFirst-degree murder and armed criminal action

Pam Hupp wurde im Juni 2019 wegen des Mordes ersten Grades an Louis Gumpenberger zu lebenslanger Haft ohne Möglichkeit auf Bewährung verurteilt. Die Frau aus Missouri gilt darüber hinaus als Hauptverdächtige im Tod ihrer Freundin Betsy Faria im Jahr 2011 sowie im Tod ihrer Mutter im Jahr 2013.

Hintergrund

Pam Hupp wurde 1958 in Missouri geboren und führte nach außen hin ein unauffälliges Leben als verheiratete Frau. Ihre kriminelle Vergangenheit begann sich erst nach einer Reihe verdächtiger Todesfälle in ihrem engsten Umfeld zu enthüllen – Todesfälle, die alle einen finanziellen Bezug zu ihr aufwiesen.

Der Mordfall Betsy Faria

Hupps erste bekannte Tat war vermutlich der Mord an ihrer Freundin Betsy Faria am 27. Dezember 2011. Betsy wurde in ihrem Haus in O'Fallon, Missouri, mit 55 Messerstichen ermordet aufgefunden. Kurz vor ihrem Tod hatte Betsy die Begünstigte ihrer Lebensversicherung über 150.000 US-Dollar von ihrem Ehemann Russ Faria auf Pam Hupp umgeschrieben – ein finanzielles Motiv, das erst später ins Zentrum der Ermittlungen rückte.

Zeitlinie

1. Januar 2011

Betsy Faria wird in Missouri getötet

Hupps Freundin Betsy Faria wird 2011 getötet. Zunächst wird ein anderer Mann verurteilt, das Urteil wird jedoch später aufgehoben. Hupp wird anschließend in dem Fall beschuldigt.

1. Januar 2013

Tod von Hupps Mutter wird untersucht

2013 stirbt Hupps Mutter unter Umständen, die die Behörden im Zusammenhang mit dem Gumpenberger-Fall im Nachhinein untersuchen. In den verfügbaren Quellen ist weder eine Anklage noch ein Urteil dokumentiert.

16. August 2016

Louis Gumpenberger wird in O'Fallon erschossen

Am 16. August 2016 tötet Pam Hupp Louis Gumpenberger in ihrem Zuhause in O'Fallon, St. Charles County, Missouri. Hupp verständigt selbst die Polizei und stellt es als Notwehr dar.

1. Juni 2019

Hupp schließt Alford-Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft

Im Juni 2019 schließt Pam Hupp vor dem Gericht in St. Charles County eine Alford-Vereinbarung – sie bekennt sich nicht schuldig, erkennt jedoch an, dass die Beweise für eine Verurteilung ausreichen.

1. August 2019

Urteil: Lebenslange Haft ohne Möglichkeit auf Bewährung

Im August 2019 verurteilt das Gericht in St. Charles County, Missouri, Pam Hupp wegen des Mordes an Louis Gumpenberger zu lebenslanger Haft ohne Möglichkeit auf Bewährung.

Zunächst wurde Betsys Ehemann Russ Faria zu Unrecht verurteilt und zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt. Das Urteil wurde 2015 aufgehoben, nachdem neue Beweise auf Pam Hupp als wahrscheinliche Täterin hindeuteten. Hupp war die letzte Person gewesen, die Betsy lebend gesehen hatte, und ihre Aussage enthielt mehrere Widersprüche.

Justizirrtum

Der Tod von Shirley Neumann

Im Jahr 2013, während Russ Faria noch im Gefängnis saß, starb Hupps 77-jährige Mutter Shirley Neumann nach einem Sturz von einem Balkon im dritten Stockwerk. Der Tod wurde zunächst als Unfall eingestuft, doch die Polizei nahm die Ermittlungen später wieder auf. Kurz vor ihrem Tod hatte Shirley ihre Lebensversicherung geändert und Pam als alleinige Begünstigte eingesetzt. Hupp erhielt nach dem Tod ihrer Mutter rund 120.000 US-Dollar.

Der Obduktionsbericht ergab, dass Shirley Benzodiazepine im Blut hatte, was Fragen aufwarf, ob sie vor dem Sturz betäubt worden war. Der Fall ist offiziell ungeklärt, Ermittler betrachten Pam Hupp jedoch als Hauptverdächtige.

Vergiftung

Der Mord an Louis Gumpenberger

Am 16. August 2016 erschoss Pam Hupp den 33-jährigen Louis Gumpenberger fünfmal in ihrem Haus in O'Fallon. Gegenüber der Polizei behauptete sie, Gumpenberger sei mit einem Messer in ihr Haus eingedrungen und habe dabei etwas von „Russ' Geld“ gerufen – ein offensichtlicher Verweis auf Russ Faria.

Die Ermittlungen zeigten schnell, dass Hupps Darstellung eine inszenierte Tat war. Sie hatte den psychisch labilen Gumpenberger unter dem Vorwand in ihr Haus gelockt, ihm Geld dafür zu zahlen, dass er sie zu einer Wohltätigkeitsveranstaltung fahre. Beweise belegten, dass sie ihm 900 US-Dollar in bar sowie einen Zettel gegeben hatte, auf dem sie ihm einen Text diktiert hatte, der den Eindruck erwecken sollte, er arbeite für Russ Faria.

Die Polizei stellte außerdem fest, dass Hupp eine Prepaid-Mobilfunkkarte gekauft hatte, um Gumpenberger zu kontaktieren – ein Hinweis auf vorsätzlichen Mord. Ihr Plan war offenbar, Gumpenberger zu töten und die Tat als Angriff auf sich selbst zu inszenieren, um das Narrativ zu stärken, Russ Faria sei der wahre Mörder.

Inszenierter Mord

Verurteilung

Im Juni 2019 bekannte sich Pam Hupp im Rahmen eines Deals schuldig, um der Todesstrafe zu entgehen. Sie wurde zu lebenslanger Haft ohne Möglichkeit auf Bewährung verurteilt. Durch den Plea Deal wurde ein langwieriger Prozess vermieden.

Im Verlauf des Verfahrens wurde deutlich, dass Hupp den Mord sorgfältig geplant hatte, um Russ Faria zu belasten und sich selbst vor erneuten Ermittlungen im Fall Betsy Faria zu schützen. Die Inszenierung war jedoch so schlecht ausgeführt, dass die Polizei ihre Lügen rasch durchschaute.

Ermittlungen zu früheren Todesfällen

Nach Hupps Verurteilung nahmen die Behörden in Missouri die Ermittlungen sowohl im Fall Betsy Faria als auch im Tod von Shirley Neumann wieder auf. Staatsanwälte erklärten öffentlich, sie hielten Hupp für beide Todesfälle verantwortlich, doch rechtliche Hürden und die Beweislast haben eine formelle Anklageerhebung bislang erschwert.

Russ Faria, der 2015 freigesprochen wurde, klagte gegen mehrere Polizeibeamte und Staatsanwälte, die seiner Ansicht nach Beweise ignoriert hatten, die auf Pam Hupp hindeuteten. Im Jahr 2020 erhielt er einen Vergleich über 2 Millionen US-Dollar vom Lincoln County.

Kulturelle Rezeption

Der Fall Pam Hupp hat in den Medien erhebliche Aufmerksamkeit erregt und wurde in mehreren True-Crime-Podcasts und Dokumentationen aufgegriffen. NBC produzierte 2021 eine Miniserie mit dem Titel „The Thing About Pam“, in der Renée Zellweger die Hauptrolle als Pam Hupp übernahm.

Der Fall verdeutlicht die Gefahren von Scheuklappen bei Ermittlungen, bei denen Russ Faria zu Unrecht verurteilt wurde, während die mutmaßliche Täterin jahrelang auf freiem Fuß blieb. Er zeigt auch, wie finanzieller Gewinn durch Lebensversicherungen ein starkes Motiv für Serienmorde sein kann.

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