Joachim Kroll: Der Kannibale von Duisburg
Über zwei Jahrzehnte mordete ein unauffälliger Hilfsarbeiter im Ruhrgebiet – bis verstopfte Rohre sein Geheimnis verrieten
Veröffentlicht 3. Mai 2026

Klassifizierung:
Fakten
Joachim Kroll ermordete zwischen 1955 und 1976 mindestens acht Menschen im Ruhrgebiet – und blieb dabei mehr als zwei Jahrzehnte unentdeckt. Der Fall gilt als einer der erschütterndsten in der deutschen Kriminalgeschichte.
Ein unauffälliges Leben als Tarnung
Kroll wurde am 17. April 1933 im oberschlesischen Hindenburg, dem heutigen Zabrze in Polen, geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg siedelte die Familie nach Nordrhein-Westfalen über. Mit einem IQ von etwa 76 galt er als geistig zurückgeblieben; er arbeitete als Toilettenwärter in einer Fabrik in Duisburg. Seine stille, fast kindliche Art ließ niemanden ahnen, dass sich hinter dieser harmlosen Fassade ein Serienmörder verbarg.
Die Opfer: Kinder und junge Frauen
Krolls erstes bekanntes Opfer war die 19-jährige Irmgard Strehl, die er 1955 in Lüdinghausen tötete. In den folgenden Jahren mordete er in verschiedenen Städten des Ruhrgebiets – darunter Essen, Wuppertal und Duisburg. Zu seinen Opfern zählten die vierjährige Marion Ketter und die dreizehnjährige Ursula Rohling sowie mehrere weitere Frauen und Mädchen. Kroll gestand später, Teile seiner Opfer gegessen zu haben, um Geld für Fleisch zu sparen.
Zeitlinie
Joachim Georg Kroll wird geboren
Joachim Georg Kroll wird am 17. April 1933 geboren.
Erste bekannte Tat begangen
Krolls bekannte Tatperiode beginnt 1955 im Ruhrgebiet, Westdeutschland. Das genaue Datum der ersten Tat geht aus den verifizierten Quellen nicht hervor.
Kroll wird in Duisburg festgenommen
Die Polizei findet menschliche Überreste in einem verstopften Abflussrohr in Krolls Wohnhaus in Duisburg und nimmt ihn am 3. Juli 1976 fest.
Prozess vor dem Landgericht Duisburg beginnt
Das Schwurgericht am Landgericht Duisburg eröffnet am 5. Oktober 1979 den Prozess gegen Kroll. Das Verfahren erstreckt sich über 151 Verhandlungstage.
Urteil: schuldig in acht Mordfällen
Am 8. April 1982 wird Kroll in acht Fällen des Mordes und einem Fall des versuchten Mordes für schuldig befunden und zu lebenslanger Haft verurteilt.
Kroll stirbt an Herzinfarkt in JVA Rheinbach
Joachim Georg Kroll stirbt am 1. Juli 1991 an einem Herzinfarkt in der JVA Rheinbach, wo er seine Strafe verbüßte.
Sein Vorgehen war brutal: Er lockte oder überwältigte seine Opfer, erwürgte sie und verging sich anschließend an den Leichen. Serienmörder Deutschland
Justizirrtümer mit tragischen Folgen
Ein besonders düsteres Kapitel des Falls sind die Fehlurteile, die sich während Krolls aktiver Mordzeit häuften. Da verschiedene Polizeibehörden nicht ausreichend miteinander kommunizierten, wurden mehrere Unschuldige für seine Taten verurteilt. Der Bergmann Walter Quicker wurde fälschlich des Mordes an Petra Giese beschuldigt und beging 1966 Selbstmord. Vinzenz Kuehn saß 15 Jahre unschuldig im Gefängnis für einen Mord, den Kroll begangen hatte. Justizirrtum Mordfall
Festnahme durch einen Kanalverstopfer
Am 3. Juli 1976 wurde Kroll unter bizarren Umständen gefasst. Ein Nachbar in seinem Wohnhaus in der Friesenstraße 24 in Duisburg-Laar bemerkte, dass die Toilette verstopft war. Ein Klempner fand bei der Suche nach der Ursache menschliche Eingeweide in den Rohren. Die alarmierte Polizei durchsuchte Krolls Wohnung und entdeckte in einem Kochtopf auf dem Herd die Hand der vierjährigen Marion Ketter, die noch am selben Tag verschwunden war. Kroll gestand bereitwillig und führte die Ermittler zu weiteren Tatorten.
Prozess, Urteil und Tod im Gefängnis
Der Prozess vor dem Landgericht Duisburg begann am 4. Oktober 1979. Die Anklage lautete auf achtfachen Mord und einen Mordversuch. Am 8. April 1982 wurde Kroll zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Insgesamt gestand er 14 Morde; gerichtlich nachgewiesen werden konnten acht. Am 1. Juli 1991 starb Kroll im Gefängnis Rheinbach an Herzversagen – ohne jemals Reue gezeigt zu haben.
Ein Fall mit Folgen für die Ermittlungsarbeit
Der Fall Kroll offenbarte gravierende Mängel in der damaligen Polizeiarbeit. Die mangelnde Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Behörden hatte es ihm ermöglicht, jahrzehntelang unentdeckt zu morden. Als Konsequenz wurden die Ermittlungsbehörden stärker vernetzt und moderne Methoden der Serienmordermittlung eingeführt. Die tragischen Justizirrtümer, die unschuldige Männer das Leben oder die Freiheit kosteten, mahnen bis heute zur Sorgfalt. Polizeiarbeit Serienmord
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